Teil eines Werkes 
2. Band (1866)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

100

Plötzlich durchläuft die Schreckensnachricht das öſter⸗ reichiſche Lager, Waitzen ſei genommen, der General Götz im Kampfe vor der Stadt gefallen und Jablonowſti, viel zu ſchwach, um Widerſtand leiſten zu können, zurück⸗ geworfen worden. Görgei, lautete die Hiobspoſt weiter, befinde ſich im Beſitz des linken Donauufers und ſtehe bei der Inſel Andrä, im Begriff auf das rechte über⸗ zugehen, um der öſterreichiſchen Hauptarmee in den Rücken zu fallen.

Jetzt erſt erkannte Fürſt Windiſchgräg das Gefähr⸗ liche ſeiner Lage. Sein Hauptquartier ward vom Hotel zum Schwan in Peſth hinüber nach Ofen verlegt und Jellachich verließ das Gaſthaus zu den zwei Löwen. Die ganze Armee ging auf das rechte Donauufer über.

Hiermit hatte aber auch der Fürſt ſeine ſtrate⸗ giſche Rolle ausgeſpielt und ſeine militäriſche Laufbahn beendet. Ein Ende, wie es kein ruhmloſeres geben kann. Geſchmäht von ſeinen frühern Bewunderern, abberufen durch den Hof, der ihn den Retter Heſterreichs genannt, überall geſchlagen von einem Feinde, den er verachtet, und in jedem Berichte als eine feige Rotte geſchildert, verflucht von zwei Hauptſtädten der Monarchie, aus deren Brandruinen er ſich den ſchnell geſchwundenen Ruhm eines Eroberers aufgebaut hatte, gehaßt von Deutſchland, deſſen Volksvertreter er den Standrechtskugeln überliefert, ver.