Teil eines Werkes 
2. Band (1857)
Entstehung
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wollte ſich todtlachen über den groben Stoff, den altväteriſchen Schnitt. Eine Schneiderin mußte ins Haus, um Marie doch inſoweit reſidenzmäßig aus⸗ zuſtaffiren, daß man ſich wenigſtens mit ihr ſehen laſſen könne, wie ſich die ſchönen Fräuleins auszu⸗ drücken beliebten.

Nachdem man hinſichtlich der Garderobe einiger⸗ maßen Beruhigung gefaßt, unterſuchte man die äſthetiſche und belletriſtiſche Bildung der neuen Ge⸗ ſellſchafterin und fand abermals Gelegenheit, ſein ungetheiltes Erſtaunen auszuſprechen. Marie war in der neueſten ſchöngeiſtigen Modeliteratur ſehr un⸗ bewandert.

Aber, mein Gott! rief Marianne eines Ta⸗ ges, als bei Namhaftmachung eine Anzahl Mode⸗ ſchriftſteller Marie ihre Unbekanntſchaft eingeſtand, Sie können auf Ihrem Dorfe doch nicht ohne alle Lektüre geweſen ſein! Ein Leben ohne Lektüre iſt ja entſetzlich. Haben Sie denn nicht einmal einen Lieblingsdichter?

O ja! erwiederte Marie, ordentlich froh, ein⸗ mal die Frage bejahen zu können.

Wie heißt denn der?

Fürchtegott Gellert.