Teil eines Werkes 
1. Band (1857)
Entstehung
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mir ganz unwahrſcheinlich vor. Hornickel ſchwört zwar hoch und theuer, daß alles ſeine Richtigkeit habe und er allezeit bereit ſei, dieſe Richtigkeit vor Gericht eidlich zu erhärten. Was will ich, eine hilf⸗ loſe Witwe, gegen einen mit allen Advokatenkniffen ausgerüſteten Wucherer? Was vermag der Arme ge⸗ gen den Reichen?

Das mütterliche Schreiben ſchloß mit den Wor⸗ ten: Mein guter Sohn, ehe Du Noth leideſt, ver⸗ traue Dich Deiner Mutter. Ich beſitze noch die gol⸗ dene Erbskette, das Andenken an meine ſelige Mutter Ehregott, ehe Du Noth leideſt ich kann jetzt nicht weiter ſchreiben.

Jedesmal, wenn die Blicke des jungen Mannes auf dieſe letzten Zeilen fielen, füllten ſich ſeine Au⸗ gen mit Thränen. So auch dießmal. Vergebens blühte rings der ſchöne Frühling. Im Herzen Ehregott's wohnte die tiefſte Betrübniß. Er fühlte ſich ſehr un⸗ glücklich. Ein Tropfen nach dem andern perlte herab auf das Papier. Rings athmete tiefe Stille da plötzlich, wie eine Stimme vom Himmel, zog durch die Blüten ein weicher, langgehaltener Flötenton. Wie der tröſtende Gruß eines Engels legte ſich die⸗ ſer wunderbare Klang an das bekümmerte Herz des

armen jungen Mannes. Er lauſchte mit verhaltenem 1*