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Der Diplomat : Novelle / von Ludwig Storch
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ſcher; mir aber gönnen Sie die Freude, eine kleine Sonderbarkeit erlebt zu haben.“ Hierauf wandte ſie ſich an Müllersdorf, nahm ohne Zie⸗ rerei deſſen dargebotenen Arm und fuhr lachend fort:„Was wäre das Leben ohne Sonderbar⸗ keiten ſo nüchtern und ſchaal! Ein Menſch, der das Unglück hat, nichts Sonderbares erlebt zu haben, gehört mehr der Thierwelt an. Das Son⸗ derbare erhebt uns zu Göttern. Das Sonder⸗ bare iſt des Lebens Stolz und Würze. und Be⸗ kanntſchaften, die ich auf eine ſonderbare Weiſe mache, pflegen mir ſtets lieber zu ſehn, als an⸗ dre, die mir täglich auf die miſerabelſte gewöhn⸗ lichſte Weiſe entgegen laufen und die ich den dritten Tag radical vergeſſen habe, während ich mir von jenen viel verſpreche.“

„J nun,“ verſetzte Müllersdorf,„ohne mir gleich von vorn herein Lobreden halten zu wollen— denn das wäre abgeſchmackt ſonderbar, und dieſe Art Sonderbarkeiten lieben Sie gewiß ſo wenig wie ich— ſo kann ich Ihnen doch die Verſiche⸗ rung geben, daß Sie heute gut gefahren ſind, ob⸗ gleich Sie der Kutſcher umgeworfen hat; denn