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Der Diplomat : Novelle / von Ludwig Storch
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Sie hätten keinen ſonderbarern Kauz finden kön⸗ nen, als meine Wenigkeit, und ich habe damit ein Recht erlangt, Ihnen nicht mehr gleichgültig zu ſehn, ſchöne Unbekannte.“

„Vorausgeſetzt, daß ſich Ihre Behauptung als wahr erweiſ't. Was können Sie zum Bei⸗ ſpiel gleich jetzt zur unterſtützung derſelben an⸗ führen, nur um mir einen Vorgeſchmack Ihrer Sonderbarkeit und einen Begriff von der Art derſelben zu geben?“

Müllersdorf beſann ſich einen Augenblick, ſchaute dann rückwärts, und als er Reinecken mit dem Fräulein im eifrigen Geſpräche und ziemlich weit entfernt hinter ſich ſah, flüſterte er der Gräfin mit geheimnißvollem Tone zu:„Ich bin nicht der, der ich ſcheine, aber ich bin der, für den ich gelte. Während mein Schein trügt, iſt er zugleich Wahrheit. Was ich vorſtelle, iſt Lüge, aber was ich ſcheine, bin ich doch. Ich bin der treueſte und wärmſte Anhänger meiner Gegner, und der glühendſte Haſſer meiner Freunde. und doch bin ich kein Widerſpruch, doch kein zweidentiger, doch kein ſchlechter Menſch. Das