Teil eines Werkes 
4. Supplement-Band, Moosrosen : Novellen und Erzählungen : 3. Theil (1864)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

189

Aber Stunde um Stunde verrann, das Kindlein ſchlief ſanft fort, doch Gabriele kehrte nicht zurück. Die Mutter wußte nicht, was ſie denken ſollte. Ver⸗ geblich ſah ſie ſich die Augen aus nach dem Walde, wohin Gabriele ihren Weg genommen hatte. Eiſig und unheimlich wehte der Nordſturm über die weiße Schneedecke.

O Gott, rief ſie,das arme Kind, in ſeiner einfachen leichten wird es ſich nicht ver⸗ irrt haben im Walde? Das aume Kind iſt bei dieſer eiſigen Kälte vielleicht erftoren.

Da ſchon legten ich die erſten Abendſchatten

über's Land erſchien Gabriele wieder, ganz er⸗

froren und mit blutenden Händen, aber in einem Körbchen trug ſie die ſeltſamen Kräuter.

Armes Mädchen! rief die hocherfreute, aber von tiefem Mitleid für die Arme ergriffene Mutter. Du haſt Dich gewiß im Walde verirrt. Ich habe großes Bangen um Dich gehabt. Komm, erwärme und ſtärke Dich. Mein Kindlein ſchläft noch immer.

Das wußte ich wohl, ſagte Gabriele,auch habe ich mich nicht verirrt, aber die Kräuter ſtehen ſo vereinzelt und ſo tief unterm Schnee, den ich erſt wegnehmen mußte; andere waren mit Eis bedeckt.

Gutes Kind, Du konnteſt den Tod davon haben.

O nein, lächelte das Mädchen,blos die Hand ſchmerzt etwas, doch that ich es ſo gern und fügte ſie hinzu ich muß noch manchmal in den Wald.

Sie kochte und bereitete jetzt die Kräuter wie die erfahrenſte Krankenwärterin für das kranke Kindlein, das aus ſeinem Schlafe gekräftigter erwacht war. Es ward an den wunden, ſchmerzhaften Stellen