Teil eines Werkes 
4. Supplement-Band, Moosrosen : Novellen und Erzählungen : 3. Theil (1864)
Entstehung
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laſſen, klopfte es leis an die Thür und ein wunder⸗ ſchönes Mädchen in einfach ländlicher Tracht trat herein. Das Mädchen ſagte, es habe vernommen, daß hier ein Kindlein einen ſehr ſchweren Fall ge⸗ than und daß man die unachtſame Wärterin ent⸗ laſſen habe. Es biete ſich daher zur ſorgſamen Pflege an. Auch verſtehe es aus friſchen Kräutern Tränk⸗ leins und Umſchläge zu bereiten, die dem Kinde ſehr wohlthun würden.

Ich weiß, fügte ſie troſtſprechend hinzu,daß ſolche friſche Kräuter noch immer geholfen haben.

Die trauernde Mutter fühlte ſich durch den An⸗ blict des wonneſchönen Mädchens und die holde Rede deſſelben wunderbar ergriffen. Eine innere Stimme ſagte ihr, daß die ſchöne Unbekannte ihrem kranken Kinde nur Glück bringen könne.

Gern nehme ich Dein Erbieten an, ſagte ſie, aber gutes Kind, wo willſt Du jetzt im tiefen Winter, wo der Schnee ſo hoch liegt, friſche Kräuter herbekommen, die für mein Kind ſo heilſam ſein ſollen?

Dieſe beſorge ich ſchon, antwortete das Mäd⸗ chen, trat leiſe zu dem Bettlein, legte ſtill ſeine Hand auf das kaum hörbar ſchlagende Herz, worauf das Kindlein, das bis jetzt von Schmerzen gepeinigt ſich unruhig hin und wider gewendet, beruhigt in ſanften Schlummer ſank.Euer Kindlein ſchläft jetzt, ſprach die Fremde,ſtört es nicht, ich ſorge für die Kräuter.

Die Mutter faltete, als das Mädchen das Zimmer verlaſſen hatte, wunderbar bewegt die Hände.Hat mir Gott einen Engel geſendet? frug ſie. So war der Eindruck geweſen, den die Fremde auf ſie ge⸗ macht hatte. Sie hatte von derſelben nichts er⸗ fahren, als daß ſie Gabriele heiße und aus fremdem Lande ſtamme.