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Es iſt eine holde Einkehr in die Gärten und blu⸗ menreichen Almen unſerer Erinnerung. Mancher Regenbogen blüht darüber, mancher ſterbende Som⸗ merabend, manche reiche, warme Frühlingsnacht, wo der Mond zwiſchen lichten Wolken in goldner Schöne wie aus 8 zerfließenden weißen Roſe hervortritt. Und immer dunkler wird's draußen, ſchon rauſcht der Herbſtſturm vernehmbarer in den Kronen der licht⸗ gewordenen Bäume im Garten.
Fern im ſchönen Thale auf einſamem Friedhof ſteht ein alter Lindenbaum. Seine Erinnerung reicht weit hinaus über die dreißig zorn- und blutvollen Jahre, wo ſich die Deutſchen bekämpften wegen! des wahren Gottes, hinaus über jenen klaren October⸗ morgen, wo Doctor Martinus ſeine 95 Sätze an die Kirchthüre von Wittenberg ſchlug— durch ſeine goldgrünen Jünglingslocken klangen wilde Schlacht⸗ geſänge ſchwarzer Schaaren, die für den Märtyrer von Conſtanz freudig in den Tod gingen. Und noch immer treibt der alte Lindenbaum aus friſchem Mark alljährlich ſeine Schößlinge in fröhlichen ſiegesſicherem Hoffnungsgrün, gleichſam als gedächt er noch zu er⸗ leben die Auferſtehung und Herrlichkeit ſeines deut⸗ ſchen Volkes, denn er hat deſſen Leiden und Kämpfe geſehen, die Opfer und Thränen, die zertretenen Hoffnungen, Faſtenzeit und Charfreitag, darum ſehnt auch er ſich nach dem Oſtermorgen. Im Frühling baut die Grasmücke ihr kleines Neſt im grünen Haus, mancher Sänger ruht aus im duftenden Dome und in weicher Sommernacht ziehen langgezogene Töne der Nachtigall über die Stille der Gräber.
Ich habe oft ausgeruht im Schatten des alten Lindenbaums und mit Erquickung emporgeſchaut in die grüne Blätternacht. Es iſt eine kleine Breter⸗ bank am Stamme angebracht, wo man recht ſeinen
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