Teil eines Werkes 
4. Supplement-Band, Moosrosen : Novellen und Erzählungen : 3. Theil (1864)
Entstehung
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bedeckten Tiſche ein deckenhoher, prachtvoller Chriſt⸗ baum flammte.

Die Familie Liebethal wußte nicht, ob ſie wache, oder träume, ob ſie ihren Augen trauen und was ſie zu dem Allen ſagen ſollte. Sie blieb verdutzt und ängſtlich am Eingange ſtehen.

Nachdem ſich Emanuel eine Minute lang an der höchſten Ueberraſchung der armen Leute geweidet hatte, trat er vor und ſprach:

Meine Lieben!

Ihr befindet Euch nicht bei der armen Witwe und ihren vier verwaisten Kindern, deren Noth und Jammer Euer gutes und chriſtlichgeſinntes Herz zu lindern im Begriff ſtand, ſondern in meinem Hauſe. War doch die Sache mit dem Briefe, den ich ſelber dietirt habe, nur eine Erfindung und Prüfung, ob der Herr Chriſtus, deſſen Geburt wir heute feiern, nicht blos auf Euern Lippen wie leider bei ſo vielen Leuten ſondern auch in Euern Herzen wohne? Durch Eure Theilnahme, die Ihr bei der Kunde von fremdem Leid an den Tag gelegt, durch Eure Bereit⸗ willigkeit zu helfen, durch Eure Opferfreudigkeit habt Ihr bewieſen, daß Ihr wirklich Chriſten ſeid, wie ſie unſer Herr haben will. Nun ſeht, ſo hat denn der Herr Chriſtus auch Euer nicht vergeſſen und Euch durch meine Wenigkeit einen Chriſtbaum anzünden laſſen. Bewahrt Euch Eure Liebe und Euren Sinn der Barmherzigkeit Euer ganzes Leben lang und Ihr werdet den lieben Gott und den Herrn Chriſtus allezeit zu Euren beſten Freunden haben.

Zetzt aber ſcheuet Euch nicht länger, ſondern tretet näher und ſeht, was der heilige Chriſt gebracht hat. Ich glaube, er hat Keins von Euch vergeſſen.