36
Und ſo war es. Da die arme Familie zwar allezeit reinlich und ſauber gekleidet ging, aber doch manch Tüchlein gar zu verwaſchen und verſchoſſen, manch Röcklein gar zu fadenſcheinig war, daß der Winter leicht durchdringen konnte, lagen auf dem Tiſche unter den ſtrahlenden Flammen warme Win⸗ terkleider von Kopf bis Fuß für Alt und Jung. Die arme Großmutter war auch hier nicht vergeſſen. Da prangten ferner mächtige Chriſtſtollen mit Roſi⸗ nen, Mandeln und Citronat; da thürmten ſich Aopfel und Nüſſe in reichen Haufen, da lachte eine prächtige Kalbskeule für die Feiertage, neben der ſich ein geſpicktes Häslein appetitlich ausſtreckte. Da blinkten ſechs Flaſchen guten Weines für Geburtstage und ſonſtige feſtliche Gelegenheiten. Da grüßten in ge⸗ ſchmackvollen Einbänden zwei chriſtliche, von keinem krankhaften Pietismus durchwehte Andachtsbücher zur Belebung chriſtlichen Sinnes und zur Stärkung chriſtlichen Glaubens. Daneben faßlich geſchriebene Bücher zur Belehrung über die Natur, zur Kennt⸗ niß der Schöpfung Gottes, zur Beförderung nützlicher Aufklärung und Vertreibung des Aberglaubens; fer⸗ ner der„vollkommene Tiſchler“ mit ſchönen Muſter⸗ zeichnungen für Vater Liebethal; Landkarten, Bilder⸗ bücher und Bilderbogen für die Jugend, Kinderſpiel⸗ zeug und ſelbſt eine prächtige Puppe für das kleine Chriſtelchen. Kurz, der heilige Chriſt hatte einen Reichthum entfaltet, wie ſolcher den Armen ſelbſt im Traume nie erſchienen war.
Und da ſtanden ſie, die Glücklichen und wußten nicht, ob ſie wachten oder träumten, ob ſie überhaupt noch auf Erden lebten, und wagten ſich trotz Emanuels wiederholten freundlichen Ermahnungen weder vor⸗ noch rückwärts, bis dieſer endlich Vater und Mutter


