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Das vierjährige Chriſtelchen, deſſen ganzer hei⸗ liger Chriſt in drei Aepfeln, ſechs Nüſſen und zwei Dreierwachsſtöcklein beſtand, brachte einen Apfel, zwei Nüſſe und ein Wachsſtöcklein, damit die armen Kinder nicht im Finſtern zu ſitzen brauchten.
Endlich kam man im Allgemeinen darin überein, daß der Lichterbaum lange genug geleuchtet und man ihn mit den erſt zur Hälfte herabgebrannten Lichtern ebenfalls der armen Familie ſchenken wolle, damit ſie auch ihr Chriſtbäumchen habe.
Emanuel, der ſich ganz in die Ecke gedrückt, ſchaute mit ſeligem Herzen in das kleine Himmelfeſt und eine Thräne nach der andern entperlte ungeſehen ſeinen Wimpern. Er hielt wie betend die Hände gefaltet.
„Ja,“ ſprach er leiſe,„mein Chriſtus, bei dieſem Chriſtbaum biſt Du zugegen.“
„Aber jetzt auch keine Zeit verloren,“ drängte Meiſter Liebethal,„bedenkt, wie ſpät es ſchon iſt und wie lange die arme Mutter mit ihren Kindern ſchon im Dunkeln und Kalten geſeſſen. Martin, den Tragkorb, wir Beide machen uns ſelber auf den Weg und das ſo ſchnell wie möglich.“
Er wollte ſich jetzt bei Emanuel wegen ſeines Hinweggehens entſchuldigen, als dieſer hervortrat und, die Familie mit leuchtenden Augen überſchauend, ſprach:„Wir Alle gehen zu der armen Witwe und ihren verwaisten Kindern!“
Allgemeines Erſtaunen— tiefe Stille. Emanuel fuhr fort:„Mutter Lene mag einſtweilen das Haus behüten. Wir Andern gehen Alle zur Witwe. Da aber die Winternacht kalt und rauh, ſo wird binnen Kurzem mein Wagen kommen, der für Alle Platz hat, wenn es auch etwas eng zugehen ſollte.“
Stolle, ſämmtl. Schriften. Suppl.⸗Bd. IV. 3


