Teil eines Werkes 
4. Supplement-Band, Moosrosen : Novellen und Erzählungen : 3. Theil (1864)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

29

tiger Stab, der mich noch immer aufrecht erhalten hat. Und darum, hochwürdigſter Herr Graf, wenn es irgend möglich iſt, wird zu dem Feſt, an welchem wir ſeine Geburt feiern, von uns Alles aufgeboten, um es ſo glänzend, wie ſichs immer thun läßt, zu begehen. Da hören nur der Herr Graf den Jubel der Kinder, wie er ſo fröhlich nimmer im Jahre er⸗ ſchallt; wie Eins dem Andern Ueberraſchung und Freude zu bereiten bemüht iſt, wie Eins dem Andern nicht genug glaubt danken zu können, wie ſie Alle ſich ſchon ſeit langen, langen Wochen gefreut auf den heutigen Abend des Herrn Chriſtus, um die Gaben ihrer Liebe an den Mann zu bringen. Ich denke mir auch, daß unſer Herr Chriſtus es unge⸗ fähr ſo haben will, daß ſeine Geburt unter den Chriſten gefeiert werde.

Emanuel reichte tief bewegt dem wackern Meiſter die Hand.

Ich denke es auch, ſprach er und ſchaute mit ſtillem Entzücken in den Kinderjubel. Meiſter Liebe⸗ thal, durch den Antheil, welchen Emanuel an dem Feſte zu nehmen ſchien, vertrauungsvoller gemacht, fuhr fort:Ich weiß wohl, es giebt viele Leute, die namentlich auf den Herrn Chriſtus gar nichts geben und wieder andere, die ihn blos für einen Mann halten, der ſeiner Zeit viele gute Lehren ertheilt, aber von ſeiner göttlichen Sendung, wie ſie doch die heilige Schrift in erhebender Weiſe lehret, gar nichts wiſſen wollen. Dieſe Leute halten mich auch und die Mei⸗ nigen für Pietiſten und Frömmler, namentlich weil wir die Predigten des feſtgläubigen, trefflichen Diako⸗ nus Frommhold fleißig beſuchen, uns von den Ver⸗ gnügungen der Welt was zudem unſere Einnahme nicht erlaubt entfernt halten und unſre Freude