Teil eines Werkes 
4. Supplement-Band, Moosrosen : Novellen und Erzählungen : 3. Theil (1864)
Entstehung
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Aber guter Meiſter, erkundigte ſich Emanuel, wo nahmt Ihr die Kraft her, ſo ſtandhaft und ohne die Geduld zu verlieren, die ſchwere Prüfung des Himmels zu ertragen? Eine todtkranke Frau, dazu mehrere Kinder krank und wenig Verdienſt, weil die Pflege der kranken Familie allein auf Euch lag? Was gab Euch den Muth, ſo wacker auszuhalten bei den harten Schickſalsſchlägen?

O mein hochwürdigſter Herr Graf, erwiderte Liebethal und faltete unwillkürlich ſeine Hände,wer ſoll ſie mir gegeben haben, als einzig und allein Er dort Oben und Er, zu deſſen Ehren dieſe Lichtlein brennen? Sie waren Beide bei mir in den ſchwer⸗ ſten Stunden und tröſteten gar wunderbar; ich habe das nur zu wohl gefühlt, und waren ſie es nicht auch, die das Herz des hochwürdigen Herrn Grafen nach meinem armen Häuslein führten? Ich weiß recht wohl, daß es heutzutage viele Leute giebt, die in ihrer Aufgeklärtheit Nichts von ſolch himmliſcher Hülfe wiſſen wollen, die da meinen, Verſtand, Ver⸗ nunft und Vertrauen ſeien allein hinreichend, den Prüfungen der Vorſehung zu widerſtehen; aber ich fühle es tiefinnerlich, daß ich ohne den feſten Glau⸗ ben an meinen himmliſchen Vater und ſeinen gnaden⸗ reichen Sohn wohl kaum im Stande geweſen ſein würde, mich ſo aufrecht zu halten, wie ich mich ge⸗ halten habe. Allerdings ſoll man Vernunft und Verſtand, dieſe herrlichen Geſchenke des Schöpfers, gar wohl zur Anwendung bringen; aber ohne den lieben Gott ſind ſie allein nicht ausreichend. Ja, hochwürdigſter Herr Graf, in den ſchwerſten Stunden allein der Gedanke: Ich weiß, daß mir ein Heiland lebt, wie ihn unſer lieber Herr Diakonus aus dem heiligen Evangelium hingeſtellt, das iſt ein gar mäch⸗