Teil eines Werkes 
4. Supplement-Band, Moosrosen : Novellen und Erzählungen : 3. Theil (1864)
Entstehung
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Bedeckt mit deinem Segen, legte man Abends das müde Haupt zur Ruh.

Obſchon es faſt acht Uhr des Abends geworden, kam doch Emanuel noch zeitig genng zur Beſcheerung denn Meiſter Liebethal hatte ſpeben erſt eine Arbeit beendet, die noch heute fertig werden mußte.

Welch eine Freude, welch ein Jubel der Kindet⸗ welt, als plötzlich und unverhofft der ſo hochver⸗ ehrte und allgeliebte Emanuel zum heiligen Chriſt in die Stube trat. Der ſpäte Gaſt beſchaute ſich hier ebenfalls die Beſcheerung, worauf er auf einem hölzernen Seſſel in der Nähe des Ofens Platz nahm.

Welch ein Unterſchied zwiſchen dem prachtvollen Salon des reichen Bankiers und dem beſcheidenen Stüblein des armen Tiſchlers; welch ein Unterſchied zwiſchen dem dort ſtrahlenden, prachtvollen Chriſt⸗ baume und dem kleinen, mit nur wenig Lichtlein ge⸗ ſchmückten Tannenbäumchen. Welch ein Unterſchied zwiſchen den koſtbaren Geſchenken dort und den ein⸗ fachen Gaben der Liebe hier. Aber welcher Unter⸗ ſchied auch in der Liebe und der Feſtweiſe zwiſchen dort und hier! Hier war heiliger Abend! während es im reichen Bankierhauſe nur ein Feſt des Luxus, beim Profeſſor nur eine nüchterne Feier der Sitte und Gewohnheit, bei dem frommen Miniſterialſekretair nur eine Ceremonie lügenhafter Scheinheiligkeit war. Auch die Art und Weiſe der Beſcheerung war hier eine ganz andere. Während in den andern Familien an ein Beſcheeren der Eltern unter ſich, und der Kinder an die Eltern und der Kinder wieder unter ſich nicht gedacht ward, beſcheerte hier Jedes Jedem und ward Zedes von Jedem be⸗

ſchenkt, wobei auch die alte Großmutter Lene auf

ihrem Stuhle hinter dem Ofen nicht vergeſſen wurde.