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Emanuel, wann er bei Meiſter Liebethal ein⸗ kehrte, hatte Gelegenheit, die Freuden und die Se⸗ ligkeit der Armuth kennen zu lernen. In dieſer armen Tiſchlerfamilie gab es weit mehr Feſt⸗ und Freudentage als bei den reichen und vornehmen Leuten. Bald hatte Meiſter Liebethal in ſeinen Freiſtunden für Karl und Traugott allerliebſte Sol— daten mit dazu gehörigen Kanonen gedrechſelt; bald der ältere Martin für ein ausgetragenes fertiges Stück Tiſchlerarbeit ein ſtattlich Trinkgeld erhalten; bald Marie von ihrem Erſparten einen ſchön blühen⸗ den Balſaminenſtock nach Hauſe gebracht; bald Karl, Traugott und das kleine Chriſtelchen zuſammengelegt und ſich für das Abendeſſen ein prächtiges Bund wunderſchöner rother Radieschen erhandelt; bald Mutter Marthe die frohe Botſchaft verkündet, daß nächſten Freitag zu Vaters Geburtstage Plinſen ge⸗ backen würden, wozu das Heidemehl bereits angekauft. Hauptfeſttage waren aber allemal, wenn Emanuel einkehrte, der nie fort ging, ohne eine Gabe zurück zu laſſen. Und wie prächtig waren die Sonntage mit ihrer ſtillen Feierruhe. Wie ward am Samſtag Abend Alles gefegt, geſäubert, in Ordnung gebracht! Wie erhebend klangen die Sonntagsglocken, wenn man zur Kirche ging und ſich an der ſchönen Predigt des Diakonus Frommhold erbaute, denn in der Fa⸗ milie Meiſter Liebethals herrſchte gar viel Gottesfurcht und tiefe Frömmigkeit. Von Schimpf⸗ und Zank⸗ worten oder gar von einem Fluche, wie es in andern Familien wohl vorkommt, war bei Liebethal keine Rede. Mit einem allgemeinen Morgengebet ward die Tagesarbeit begannen, ohne Mittag⸗ und Abend⸗ tiſchgebet kein Biſſen angerührt; mit des frommen Gellerts


