Teil eines Werkes 
4. Supplement-Band, Moosrosen : Novellen und Erzählungen : 3. Theil (1864)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

16

allem Luxus fern blieb, galt Emanuel im großen Pu⸗ blikum für durchaus nicht reich. Das hatte für ihn das Gute, daß er von mancher zudringlichen und un⸗ verſchämten Bettelei verſchont blieb. Gegen ſeine Perſon war er ſparſam, wie ein Privatmann von mäßigem Einkommen; nur wenn er wohlthun konnte, war er der reiche Mann in des Wortes edelſter Be⸗ deutung.

So war Emanuel ſtill erwärmt von dem Glau⸗ ben an den, der war, der da iſt und der da ſein wird in Ewigkeit, an den himmliſchen Menſchenfreund, der mit Liebe die ganze Menſchheit umſchließt. Darum kannte unſer getreuer Jünger auch nichts von Ver⸗ dammung, wo es ſich um Glaubensſachen handelte.

Er ſah ſtets nur, wie ſein himmliſches Vorbild, auf

das Herz, mochte es in der Bruſt eines Chriſten, Juden, Türken oder Heiden ſchlagen. Alle waren ihm die Kinder eines gemeinſchaftlichen Vaters, nur daß ſie auf verſchiedenen Stufen der himmliſchen Er⸗ kenntniß ſtanden.

Sein liebevolles Herz fand in ſeinem Glauben die tiefſte, ſeligſte Befriedigung; darum umſchlang er mit Liebe alle ſeine Menſchenbrüder und nur Eine Sorte war es, gegen welche ihn die gewohnt Milde verließ, ſo daß er in heiligen Zorn gerathen und aufbrauſen konnte. Dies waren die Frömmler, die Sünder wider den heiligen Geiſt, die chriſtliche Streng⸗ gläubigkeit heucheln, um ihre irdiſchen Intereſſen da⸗ hinter zu verſtecken; die den Mantel einer excluſiven, verdammungsſüchtigen Richtung umnehmen, um da hinter ihren böſen Gelüſten zu fröhnen; jene Kopf⸗ hänger, Augenverdreher und fleißige Kirchgeher, wäh⸗ rend in ihren Herzen der Satan Sabath hält. Auch war er der entſchiedenſte Feind der Partei kirchlicher