Teil eines Werkes 
4. Supplement-Band, Moosrosen : Novellen und Erzählungen : 3. Theil (1864)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

17

Verdummung, die das Chriſtenthum, die Religion des Lichts, der Wahrheit und der Liebe bornirter Weiſe in ein finſteres, menſchenfeindliches Zelotenthum umwandeln wollen; die blind und dumm Wiſſenſchaft und vernünftige Auftlärung als mit dem Chriſtus⸗ glauben unvereinbar und in die Acht erlären; deren lichtfeindliche Fledermausbeſtrebungen darum auch kei⸗ nen Segen gebracht und die in ihrer geiſtigen Ver⸗ wahrloſung nur als faule Früchte am Lebensbaume des Chriſtenthums zu betrachten ſind.

Nein, Chriſtus, das Licht der Welt, war dem gläubigen Emanuel auch in allem Uebrigen ein Licht⸗ freund, der ſich mit Wiſſenſchaft, Aufkläxung und Vernuuft nicht allein recht gut verträgt, ſondern die letztere gleichſam verklärt, indem er bei allen For⸗ ſchungen auf den Gebieten des Geſchaffenen ſtets auf den allweiſen und allliebenden Vater hinweiſt.

Gern liebte es Emanuel, bei Bekannten, die ſich Chriſten nennen, unſchuldige Verſuche anzuſtellen, ob ihr Chriſtenthum auch probehaltig und nicht blos durch ſchöne Worte, ſondern auch durch die That bewähre? Die Erfahrungen, die er da gemacht, waren oft recht bittere geweſen.

So hatte denn Emanuel auch für den heutigen Abend einen Brief in mehreren Exemplaren abgefaßt, um den Empfängern Gelegenheit zu geben, wenig⸗ ſtens am heiligen Chriſtabende eine That ächter Chri⸗ ſtenliebe zu vollbringen. Wir haben geſehen, welchen traurigen Erfolg dieſer erſte Brief bereits gehabt und zwar in einer Familie, die vermöge ihrer Glücksgü⸗ ter am erſten im Stande geweſen, ohne großes Opfer eine chriſtliche That zu vollbringen.

Emanuel, nachdem er eine Strecke die Straße entlang gewandelt war, trat abermals in ein Haus,

Stolle, ſämmtl. Schriften. Suppl.⸗Bd. IV. 2