Teil eines Werkes 
4. Supplement-Band, Moosrosen : Novellen und Erzählungen : 3. Theil (1864)
Entstehung
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Und Emanuel hatte in durchaus keiner geweihten Stimmung das ländliche Gotteshaus betreten. Ein⸗ fache Langweile war es geweſen, die ihn hineingetrieben. Auch war die Predigt durchaus nicht gelehrt, ſondern ganz für das Bedürfniß des einfachen Landmanns berechnet, alles blendenden Redeſchmuckes entbehrend. Aber dieſe Glaubensfeſtigkeit und Glaubensfreudigkeit, dieſe Siegesſicherheit! Und welch ein Frieden, wie ſolchen irdiſche Weisheit nimmer zu geben vermag. Welch ſtille Verklärung, die wie Heiligenſchein das Antlitz des Predigers umfloß, als er ſeinen Vortrag mit der ſeligen Gewißheit ſchloß:Ja, Er iſt die Wahrheit und das Leben; wer Ihm nachfolgt, wird nicht wandeln in Finſterniß! Und welche Weihe über die ganze Gemeinde, die in Todesſtille den Worten des Evangeliums lauſchte? Und waren es doch dieſelben Textesworte, die tauſendmale ſpurlos am Ohre Emanuels vorübergeklungen waren:

Er iſt die Wahrheit und das Leben; wer Ihm nachfolgt, wird nicht wandeln in Finſterniß. Dieſe Worte begleiteten Emanuel auf dem Heimwege und verließen ihn nicht mehr. Er forſchte weiter. Die Theologie, die er ſeit Jahren wie einen todten Bal⸗ laſt, wie einen erdrückenden Alp von ſich geworfen, ward wieder vorgenommen, namentlich die Geſchichten der erſten chriſtlichen Kirche. Welch ein Geiſt, welche Erleuchtung, welche Opferfreudigkeit, welches erhabene Märtyrerthum dieſer erſten Bekenner! Welch wun⸗ derbares Licht in tiefer Finſterniß! Emanuel kam zu Luther, der ihm früher wegen ſeiner Naturwüch⸗ ſichkeit, ſeines anticalviniſtiſchen Trotzes, ſeiner oft rückſichtsloſen Schreibweiſe entſchieden zuwider ge⸗ weſen. Er kam aber jetzt nicht mit dem philoſophi⸗

ſchen und äſthetiſchen Secirmeſſer, ſondern als wun⸗