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„An dem Abende, wo mit freudigem Danke Millionen den Namen unſeres Heilands ausſprechen und zu deſſen Preiſe Tauſende von Lichtern brennen, wagt es eine arme Wittwe, ſeit Monaten an das Krankenbett gefeſſelt, umringt von vier vaterloſen Waiſen, in ihrer höchſten Noth und Dürftigkeit, in Kälte und Dunkelheit— denn Licht und Holz ſind ausgegangen— da anzuklopfen, wo ſo viele Lichtlein brennen. Der heilige Abend und ihr Vertrauen auf die Bekenner deſſen, der die Liebe ſelber iſt, die Ver⸗ zweiflung vereinigten ſich, die ſchwere Bitte um ein Scherflein übers Herz zu bringen. Es iſt ein bitterer Schritt, aber was thut nicht eine Mutter für ihre hungernden Kinder!“
„Da haben Sie die Litanei,“ fuhr Arnſtein fort und den Brief zuſammenknitternd,„es klingt ſehr rührend, aber glauben Sie mir, verehrteſter Herr Graf, man wird mit der Zeit gegen derartigen Styl ſo abgeſtumpft, daß man bei den abſchreckendſten Schilderungen die ſo nöthige Contenance behält. Wie geſagt, mein Commis ſoll ſich nach den Feiertagen erkundigen.“
Emanuel erwiderte kein Wort, ſondern ſtand auf und reichte dem Bankier zum Abſchiede die Hand.
„Ei, mein verehrter Herr Graf, warum nicht gar. Sie haben die Gnade, ſich's auf einen Löffel Suppe bei uns gefallen zu laſſen.“
Die herzutretende Frau Gemahlin, als ſie ver⸗ nahm, wovon die Rede, vereinigte ihre Bitten mit denen ihres Mannes.
„Ich habe noch einige Beſcheerungen zu inſpiciren,“ entſchuldigte ſich Emanuel.„Es iſt das ſo meine Art am heiligen Abende.“
Alle Zureden von Seiten Arnſteins waren ver⸗


