Die vierjährige Melanie, ein prächtiger Locken⸗ kopf, der Liebling und Pathe Emanuels, kam jetzt herangeſprungen und zeigte die ſchöne Puppe als einen der wichtigſten Gegenſtände ihrer Beſcheerung. Emanuel nahm die Kleine auf den Schvoß und ihr die goldenen Locken aus der Stirn ſtreichend, fragte+ er:„Nun, meine liebe Melanie, was hat Dir denn der heilige Chriſt gebracht?“
„Schöne Puppe! und großer, großer Garten mit Schafen— auch Kühe!—“
„Sieh, der gute heilige Chriſt, haſt Du ihn auch recht lieb, da er es ſo gut mit Dir meint und Dir ſo ſchöne Sachen gebracht hat?“
„Ja, ja, ihn recht lieb haben!“ antwortete die Kleine.
„Aber meine gute Melanie,“ fuhr Emanuel in ſanften Tone fort,„willſt Du ihm, der Dich ſo lieb und Dir ſolche Freude gemacht, nicht auch wieder eine Freude machen?“
Die blauen Wunderaugen des Kindes ſchauten auf. Sie ſchienen zu fragen:„Wodurch kann ich dem heiligen Chriſt wieder eine Freude machen?“
„Dies kannſt Du, meine liebe Melanie,“ belehrte Emanuel,„wenn Du recht fleißig beteſt, Deinen El⸗ tern recht gehorſam biſt, Nichts thuſt, was Dir ver⸗ boten iſt, Deine Geſchwiſter recht lieb haſt. Dadurch machſt Du dem Herrn Chriſtus, der Dich heut durch Deine Eltern ſo erfreut hat, wieder eine große Freude. Aber wenn Du nicht folgſt und keine gute Melanie biſt, Du weißt wie neulich, wo Du durch Weinen und Schreien erzwingen wollteſt, daß Herr Leopold Dir das Stück Kuchen gebe, da es die Mutter doch verboten hatte, da betrübt ſich der Herr Chriſtus, welcher nur folgſame Kinder gern hat. Vergiß das. ja nicht, meine Melanie.“
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