Teil eines Werkes 
4. Supplement-Band, Moosrosen : Novellen und Erzählungen : 3. Theil (1864)
Entstehung
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Solennität. Ich halte das für zweckmäßiger. Ge⸗ geben muß einmal werden, darum ſo unbemerkt wie möglich. Manche meiner Leute haben ihren heiligen Chriſt bereits vor dem Feſte erhalten, Andere bekom⸗ men ihn nach den Feiertagen.

Als auch hierauf der Graf kein Wort erwiderte, glaubte Arnſtein ſein Verfahren näher motiviren zu müſſen.

Sie glauben nicht, mein werthgeſchätzter Herr Graf, fuhr er fort,wie bei ſolchen Gelegenheiten Neid, Mißgunſt ihr verderblich Spiel treiben. Hat man noch ſo viel gegeben, iſt es immer noch nicht genug und der Eine mißt mit ſcheelem Blick die Gabe des Andern, findet ſich weniger be⸗ dacht

Der Hausherr ward bei dieſen Worten abgerufen. Eine milde Trauer ſchattete über das Antlitz Emanuels.

O mein Heiland, ſprach er,du Licht im Erdendunkel, man feiert deine Ankunft, man nennt und preiſet deinen Namen und kennt dich nicht. Der Glanz deines Lichterbaumes leuchtet in ihre Augen, aber nicht in ihre Herzen. O ihr Armen!

Die Kindlein, fuhr Emanuel in ſeinem Selbſt⸗ geſpräch fort,ſind es faſt allein, in deren unſchuld⸗ volle und vertrauenvolle Herzen der Chriſtbaum einen goldenen Strahl wirft. Darum hatte ja auch Er, der die Wahrheit und das Leben, die Kindlein ſo gern. Ihrer iſt das Himmelreich. Werdet wie die Kindlein, nicht etwa ſo unverſtändig wie ſie, ſondern ſo vertrauensvoll zu dem himmliſchen Vater, wie ſie es zu dem irdiſchen ſind. Das Kind iſt ſo glücklich und ſteht dem Himmelreiche näher, als die erfahrungreichen Erwachſenen, weil es noch glaubt und vertraut.