Teil eines Werkes 
4. Supplement-Band, Moosrosen : Novellen und Erzählungen : 3. Theil (1864)
Entstehung
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luxuriöſe Gabe legte. Dann ſetzte er ſich in einen Lehnſtuhl in der Nähe des Kamins und erwartete die frohe Stunde des Chriſtabends.

Die Frau vom Hauſe, eine Dame in geſchmack⸗ voller Toilette und ſtolzer, gebietender Haltung, er⸗ ſchien und drückte ebenfalls ihre hohe Freude über die Anweſenheit des hochverehrten Gaſtes aus. Sie gab ſofort mit der Glocke das Zeichen. Die Thür that ſich auf und die harrende Kinderſchaar, drei Knaben und zwei Mädchen, ſtürmten herein. Es be⸗ gann jenes beglückende, im ganzen Jahre einzig da⸗ ſtehende Schauſpiel der Ueberraſchung, der Freude und des Dankes.

Um das tiefumfriedete, gütevolle Antlitz Emanuels ſpielte jenes innige Lächeln, welches anzeigte, wie tief ſein liebreiches Herz an der Freude der Kinder Theil nahm. Die Züge des nicht mehr jungen Mannes hatten etwas ungemein Herzgewinnendes. Es ſprach daraus ein Frieden, der dieſer Welt nicht anzuge⸗ hören ſchien, eine ſo bezaubernde Milde und Ver⸗ trauen erweckende Freundlichkeit, daß es jedem guten Menſchen ordentlich Bedürfniß wurde, dieſer herz⸗ gewinnenden Perfönlichkeit die Hand zu reichen. Ema⸗ nuel ſchaute geraume Zeit, in ſtillem Glück verſun⸗ ken, dem Kinderjubel zu; dann erhob ſich ſein Haupt, und die zahlreiche Dienerſchaft, welche der Beſcheerung aus der Ferne zuſah, überblickend, ſchien er etwas zu vermiſſen.

Der Herr vom Hauſe nahm neben ihm Platz.

Es bleibt ein ſchönes Feſt, begann dieſer, man mag ſagen was man will. Ich kenne viele Geſchäftsfreunde, die in ihrer Proſa keinen Sinn da⸗ für haben. Ich bin da anders. Freilich an den Geldbeutel darf man an dieſem Abende nicht denken.