„Noch nicht, mein gnädiger Herr, ſveben werden die Lichter angezündet.“
„Ich bin nicht gnädig, meine Tochter,“ ſprach der Unbekannte mild verweiſend, der das Wort gnädig als bloße Höflichkeitsform nicht liebte,„nur Gott iſt gnädig.“
Der Hausherr, der reiche Bankier Arnſtein, eilte bereits am Ausgange der Treppe dem Emporſteigen⸗ den entgegen.
„Das iſt prächtig, Herr Graf,“ rief er,„daß Sie uns auch an dieſem heitern Abend die Ehre geben, nachdem Sie es ſo oft in trüben Stunden mit uns gut gemeint. Seien Sie herzlichſt willkommen. Wie werden ſich meine Frau und die Kinder freuen.“
Ein paar Diener, die des Ueberziehers des Gra⸗ fen— den wir jetzt nach ſeinem Taufnamen Ema⸗ nuel nennen wollen— ſich zu bemächtigen im Be⸗ griffe ſtanden, wehrte er ab, aus Beſorgniß, daß ſie den Inhalt der Taſchen beſchädigen könnten. Er zog das Ueberkleid ſelbſt ab und hing es an einen der im Vorſaal befindlichen Kleiderhalter.
Inmitten des geräumigen und reichgeſchmückten Salons auf großer ovaler Mahagonitafel entfaltete ein ſoeben vollſtändig angezündeter Chriſtbaum ſeine volle Pracht und warf ſein verklärend Licht auf die zahlreichen, zum Theile ſehr werthvollen Geſchenke, die in reicher Auswahl auf der Tafel ausgebreitet lagen. Arnheim beſaß fünf Kinder, von vier bis zwölf Jahren. Für jedes war auf dem Tiſche eine Abtheilung, mit dem Namen bezeichnet.
Auch Emanuel umwandelte die Beſcheerung, die reichen Gaben in Augenſchein nehmend, wobei er, ſo unbemerkt wie möglich, in jede der Abtheilungen eine für jedes Kind berechnete aber mehr nützliche als
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