Teil eines Werkes 
Supplemente 3. Band, Der Weltbürger : historischer Roman aus den Jahren 1830-1832 : 3. Theil (1857)
Entstehung
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Sei überzeugt, mein Bruder, ſprach er,daß mir das Wohl der Völker, die Veredelung des menſch⸗ lichen Geſchlechts nicht weniger am Herzen liegt, wie Dir; auch ich trage ein hohes Ideal von Völkerfrei⸗ heit und Völkerfrühling in der Bruſt; nur bin ich überzeugt, daß jenes Ideal, dem wir trotz aller Reae⸗ tion täglich näher rücken da die Menſchheit in geiſtiger und ſittlicher Hinſicht fortwährend im Fort⸗ ſchreiten begriffen, nicht im Sturme zu erobern iſt.

Aber ſollen wir nicht von Schmerz erfüllt werden, entgegnete Guido,wenn wir den gegenwärtigen Zu⸗ ſtand Polens erblicken. Iſt dieß der Lohn für den Heldenkampf?

Kein Schmerz iſt gerechter, fiel Ottokar mit Wärme ein;aber es iſt der Schmerz des Landmannes, wenn Spätfroſt ſeine Saaten vernichtet, Hagelſchlag die hoffnungsvollen Halme zerſchlägt. Die Erde, welche die Keime geboren, iſt darum nicht verſunken, und die Sonne, die ſie hervorgerufen, nicht erloſchen. Ein neuer Frühling bringt neue Saaten wieder und dem Oſtermorgen pflegt ſtets ein Charfreitag vorher zu gehen.

Glaube mir, mein Bruder, fuhr er nach einer Pauſe fort,wie wir in der ganzen Schöpfung, wir mögen bis zur niederſten Bildungsſtufe hinabſteigen, überall eine allweiſe Vorſehung erblicken; ſo offenbart ſich dieſe ganz vorzüglich in der Blume der Schöpfung, in der Menſchheit. Da giebt es keinen blinden Zufall; denn der Odem Gottes weht über dem Zeitenſtrome. Jede Veränderung iſt eine Verbeſſerung, ein Fortſchritt

zum großen Erdenziele; und ſelbſt jene Erſcheinungen

im Völkerleben, die uns ſo ſchmerzlich berühren, ſind nur Diſſonanzen, im Conzerte der Weltgeſchichte un⸗ entbehrlich; die Folgezeit lehrt allemal, daß ſie ſpätern