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„Dein Bruder iſt jetzt in Sicherheit; Du haſt, oft mit Aufopferung Deines Lebens, ſo viel für ihn gethan, haſt ihm in zahlloſen Gefahren ſchützend zur Seite ge⸗ ſtanden, daß das Gelübde, welches Du Veronika einſt gethan, vollkommen gelöſt iſt. Denke nun auch einmal an Dich, bleibe vei uns, bedenke, welches ſchöne Leben wir führen können.“
Ottokar ſchüttelte mit dem Kopfe.
„Laß mir immer, Freund,“ ſprach er,„den kleinen Schwärmerſinn. Noch immer halte ich mich an mein Verſprechen gebunden, ſehe meine Miſſion noch nicht für beendet an, ſo lange ich meinen Bruder noch nicht im Hafen des Friedens weiß. Noch drohen ihm man⸗ nigfache Gefahren, darum muß ich ihm ſchützend zur Seite ſtehen, muß ſein Engel ſein. Ich fühle mich ſo ſelig in dieſem Berufe, und iſt es nicht ein Amt, daß ſie mir öbertragen, die ich auf Erden am meiſten liebe?“
„Du haſt Recht, Ottokar,“ erwiderte der treue Freund mit tiefer, ernſter Rührung,„es giebt im Leben etwas Himmliſches, das uns zu beſſern, edleren Menſchen macht, und das iſt— die Liebe. Auch mich wirſt Du kaum wieder erkennen, ſeit ſich Gott meiner annahm und mich einen Blick in jenes morgen⸗ rothe Land thun ließ, ſeit ich den Engel Rafaele liebe und die ſelige Ahnung mich begeiſtert, auch von ihr geliebt zu ſein. Wo iſt mein Leichtſinn, meine da⸗ malige Charakterloſigkeit, mein barokes Leben und Trei⸗ ben geblieben? Nicht der Ernſt des Lebens, nicht die Völkerrevolutionen haben mich umgewandelt, weiſer und beſſer gemacht, ſondern allein die Liebe eines engel⸗ haften Weſens, in welcher ich den Himmel erblicke.“
„Noch gebe ich die Hoffnung nicht auf,“ ſprach Ottokar,„daß auch mein guter Bruder dieſen Himmel
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