29
fürwahr ein edler hochherziger Entſchluß, ſein Blut und Leben einer für ihre Freiheit kämpfenden Nation zum Opfer zu bringen. Ottokar erſchrak, und bot alle Be⸗ redtſamkeit auf, den Bruder von ſeinem urplötzlich ge⸗ faßten Vorſatze zurück zu bringen; vergebens. Binnen wenig Stunden war Guido reiſefertig und feſt entſchloſ⸗ ſen, nach Europa abzureiſen. Was blieb Ottokar übrig? Er ward abermals der treue Begleiter ſeines Bruders, um ihm im Falle der Gefahr ſchirmend zur Seite zu ſtehen. Kaum aber war man in Hamburg ans Land geſtiegen, als Guido plötzlich unſichtbar geworden war. Derſelbe hatte befürchtet, Ottokar werde ſeiner Abreiſe nach Polen Hinderniſſe in den Weg legen und war ganz incognito über Poſen nach Warſchau abgereiſt. Ottokar, der im Anfang fürchtete, ſein Bruder ſei von irgend einer deutſchen Polizeibehörde aufgegriffen wor⸗ den, ward nach einigen Wochen durch einen Brief Guido's von deſſen Aufenthalt in Warſchau überzeugt. Derſelbe meldete darin ſeine Ankunft in Polens Haupt⸗ ſtadt und ſeinen unabwendbaren Entſchluß, in die Reihen der polniſchen Armee zu treten. Ohne Verzug folgte ihm Ottokar, denn noch immer klangen Veronika's Worte:„Sei Du ſein Engel!“ im Innern wieder.
Nach der unglücklichen Schlacht von Oſtrolenka war es, wo ſich die beiden Brüder und Severin in Ottokar's Wohnung zu Warſchau wieder zuſammen fanden. Guido und Severin waren nicht wenig über Ottokar erbittert, daß er die polniſche Inſurrection nicht durch dieſelbe gefärbte Brille anſah, wie ſie. Er erſchien ihnen nicht begeiſtert genug, und daß er an einem für Polen glück⸗ lichen Ausgange des Kampfes zweifelte, machte man ihm gar zum Verbrechen.
Ottokar, von Charakter weit leidenſchaftloſer als ſein Bruder und Serverin, erkannte nur zu wohl die


