Teil eines Werkes 
Supplemente 3. Band, Der Weltbürger : historischer Roman aus den Jahren 1830-1832 : 3. Theil (1857)
Entstehung
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Theilung ein Unrecht. Wer wird heute dies Urtheil widerrufen, wer die Hand zur Aufrechthaltung des Un⸗ rechts bieten wollen? Wir hegen vielmehr die begrün⸗ dete Hoffnung, Europa werde unſer Daſein anzuerken⸗ nen eilen, ſobald wir bewieſen, daß wir würdig ſind, ein unabhängiges Volk zu bilden; und daß wir deſſen würdig, müſſen unſere Tapferkeit, unſere Aus⸗ dauer, Edelmuth, Einigkeit und Mäßigung beurkunden.

Unſere Inſurrection war die Folge erlittener Un⸗ gerechtigkeiten und Bedrückungen; ſie war ein Bedürf⸗ niß unſerer Herzen, ein Gebot unſerer Geſchichte. Kräftig aufſtrebend und ſchon in den erſten Augenblicken reifend, iſt ſie nicht die Pflanze eines fremden Bodens, noch ein innerer Kampf vom Bruderblute beſudelt. Nicht haben wir tyranniſch alle geſellſchaftlichen Formen zer⸗ ſtört, um abzuwarten und blind anzunehmen, was ſpä⸗ ter uns der Zufall aus ihren Trümmern etwa zuführte. Krieg um Unabhängigkeit, der gerechteſte aller Kriege, iſt unſer Aufſtand; er iſt kühn und mild, wie der Cha⸗ rakter der Nation, welche mit der einen Hand den Be⸗ drücker bekämpft und die andere zur Erhebung und Veredlung des Landmanns ausſtreckt. Wir preiſen Eng⸗ land und Frankreich, und ſtreben, ein eben ſo geſittetes, eben ſo freies und unabhängiges Volk zu bilden; doch können wir nie aufhören, Polen zu ſein. Nationen tönnen und dürfen nicht ſchnell und mit Gewalt die Grundſtoffe ihres Weſens verändern. Sie haben ihr eigenes Klima, ihre eigene Induſtrie, ihre eigene Reli⸗ gion, eigne Sitten, einen eigenen Charakter, eine eigene Stufe der Cultur, eine eigene Geſchichte. Dieſe Grund⸗ ſtoffe entwickeln eigenthümliche Leidenſchaften, eigenthüm⸗ liche Umwälzungen, eigenthümliche Bahnen für die Zu⸗ kunft. Kräftige Individualität bildet die Kraft eines Volks; die unſrige erhielten wir uns ſelbſt noch in un⸗