Teil eines Werkes 
Supplemente 3. Band, Der Weltbürger : historischer Roman aus den Jahren 1830-1832 : 3. Theil (1857)
Entstehung
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noch nie hatte er der Stunde der Ablöſung ſo ſehnlich entgegen geblickt, als heut'. Es ſtand bei ihm feſt, die erſten Feierſtunden dazu anzuwenden, nähere Erkundi⸗ gungen über das ſchöne Mädchen einzuziehen.

Habe doch manches ſchöne Kind, ſprach er für ſich,in den Gärten von Deutſchland und Frankreich blühen ſehen, aber was ſind alle Blumen dieſſeits und jenſeits des Rheins gegen den eingebornen Engel, der mir dieſe Roſe zuwarf? Und wenn mir ein König alle ſeine Schätze böte, ſein Gold und ſeine Perlen, für ein einziges Blättchen dieſer Zauberblüthe, er würde ver⸗ gebens bieten. Hab' ich doch, ſeit ich ſie geſehen, eine Zeit lang Polens Freiheit vergeſſen.

Trompetengeſchmetter tönte aus der Ferne. Es kam von einem Regiment Krakuſen, welches die Stadt Krakau geſtellt hatte, und das unter dem Geſange der Nationalhymne:Noch iſt Polen nicht verloren! luſtig daher trabte. Unermeßlich war der Jubel der entgegen⸗ ſtrömenden Bevölkerung, als dieſe neuen Freiheitskäm⸗ pfer anlangten.

Guido war bis in die Straße vorgeeilt, wo die Reiter in ihren weißen Mänteln mit rothem Kragen und mit den ſarmatiſchen Mützen vorüber ritten.

Unter dieſer Freiſchaar befanden ſich viele Polen aus Galizien und Poſen, welche ihre Heimath verlaſſen, um an dem blutigen Kampfe fürs große Vaterland Theil zu nehmen. Selbſt einige deutſche Geſichter er⸗ blickte man hier und da, und faſt ganz am Ende des Zugs ritt ein junger Mann, den Guido mit freudigem Schreck ſogleich wieder erkannte.

Severin, Severin! rief er,ſind Sie es oder iſt es Ihr Geiſt?

Der Gerufene wandte das Geſicht, und als er den Guido erſchaute, machte er ſogleich, ohne ſich um ein