Teil eines Werkes 
Supplemente 3. Band, Der Weltbürger : historischer Roman aus den Jahren 1830-1832 : 3. Theil (1857)
Entstehung
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Der Wagen fuhr wieder vor, und bald war die ſchöne Erſcheinung hinter den Erdwällen verſchwunden.

Guido wußte in den erſten Augenblicken nicht, ob er wache oder träume; in ſo überirdiſcher Schönheit war ihm die junge Dame erſchienen.

Noch nie hatte ein weibliches Weſen einen ſo ge⸗ waltigen Eindruck auf ihn hervorgebracht. Er bedeckte die Roſe, welche an der Bruſt des Engels geblüht hatte, mit tauſend Küſſen, und zum erſten Mal ward ihm die Schanzarbeit läſtig, denn gern hätte er den Spaten weggeworfen und wäre der holden Erſcheinung nachgeeilt.

Aber wer iſt dieſer Engel? Wie heißt er? Dieſe Fragen wechſelten unaufhörlich in ſeinem Innern. Er wandelte einige Schritte in den Schanzgraben dahin. wo die Leute arbeiteten, unter welche die junge Dame Geld vertheilt hatte.

Guter Freund, wendete er ſich zu einem der zunächſt Arbeitenden,Ihr ſeid ein glücklicher Mann; ſeid Ihr nicht ſo eben beſchenkt worden, und von welch' einem wunderſchönen Mädchen. Kanntet Ihr denn Eure Wohlthäterin?

Ei, erwiderte mit freundlichem Geſicht der Ge⸗ fragte,wer ſollte die ſchöne und gute Gräfin Ste⸗ phanie nicht kennen; das iſt eine wahre Polin, die Hab und Gut auf den Altar des Vaterlandes nie⸗ derlegt.

Stephanie? frug Guido,welches iſt denn ihr Geſchlechtsname?

Da fragen Sie zu viel, lieber Herr, war die Antwort,darum hab' ich mich nie bekümmert; wir Alle kennen ſie nur unter dem Namen der guten und ſchönen Stephanie.

Unbefriedigt kehrte Guido an ſeine Arbeit zurück;