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Wieder griff er mit erneuter Kraft zum Spaten und arbeitete an der Befeſtigung der ihm ſo theuern Polenſtadt, als plötzlich ſeine Aufmerkſamkeit auf eine mit zwei flotten Rennern beſpannte Karoſſe gelenkt ward. Dieſelbe fuhr bis an die äußerſte Verſchanzung, in welcher Guido arbeitete. Plötzlich hielt das Fuhr⸗ werk, der Kutſchenſchlag öffnete ſich, und eine elegant gekleidete junge Dame, reizend wie eine junge Roſe, ſprang heraus. Sie eilte auf einen Haufen Schanzar⸗ beiter, der aus ganz gemeinen Leuten beſtand, zu, öff⸗ nete eine niedliche Caſette, die ihr eine Dienerin nach⸗ getragen hatte, und ſtreute lächelnd Geld unter die Arbeiter.
„Noch iſt Polen nicht verloren,“ rief ſie mit ihrer Glockenſtimme;„nicht wahr, meine Brüder?“
„Noch iſt Polen nicht verloren!“ tönte es hundertſtimmig begeiſtert zurück. Der Ruf verbreitete ſich immer weiter und bald erſcholl aus alle den zahl⸗ reichen Verſchanzungen ein unermeßliches:„Noch iſt Polen nicht verloren!“
Guido ſchaute wie träumend nach dem Engelbilde, das noch immer bei den Schanzarbeitern ſtand und ſich an dem trunkenen Enthuſiasmus derſelben zu weiden ſchien. Sie wandelte, vom dem Zuruf der Beſchenkten begleitet, die Verſchanzung entlang und kam auch an Guido vorüber, der auf ſein Grabſcheit geſtützt, wie zu einem Boten aus ſchönrer Welt zu ihr aufſchaute. Das dunkle Auge der ſchönen Polin traf den jungen Mann. Ein holdſeliges Lächeln flog bezaubernd über ihr Antlitz. Die kleine zarte Hand faßte nach einer Roſe, welche halb erbrochen an der Bruſt des ſchönen Mädchens blühte, und warf dieſelbe Guido zu, welcher mit einer Begeiſterung, als gelte es die ewige Glückſelig⸗ keit, die ſüße Gabe auffing, und an die Lippen drückte.
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