Teil eines Werkes 
Supplemente 2. Band, Der Weltbürger : historischer Roman aus den Jahren 1830-1832 : 2. Theil (1857)
Entstehung
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müdet, hatten ſich hier und da auf die Bänke des Schloßgartens hingeſtreckt und waren entſchlafen. Nur Guido, welcher den Schlummer Rafaelens bewachte, dachte an keine Ruhe. Er ſtand mit verſchränkten Ar⸗ men im Garten und ſchaute düſtern Blicks nach den Trümmern des Schloſſes, aus welchem noch immer ſchwarze Rauchwolken empor ſtiegen.

Das furchtbare Ende ſeiner Großmutter hatte ihn auf das Gewaltigſte erſchüttert; und zum erſten Mal nach langer Zeit frug eine Stimme in ſeinem Innern, ob die Gewaltthat, deren er ſich heute wieder ſchuldig gemacht habe, auch zum Heile führen könne? Tiefe Stille umgab ihn; und wo vor Kurzem noch bachan⸗ tſcher Jubel ertönte, herrſchte jetzt Schweigen des Todes. Im Dorfe Hohenſtein ſchlug die Thurmuhr die zweite Stunde des Morgens. Von den Bergen herüber wehte ein ſcharfer Luftzug, ſo daß Guido noch einige von den wollenen Decken nahm, die man aus dem Schloſſe gerettet hatte, und über Rafaelen ausbreitete, um ſie vor der kalten Morgenluft zu ſchützen.

Die Anmuth des ſchönen Mädchens hatte ihn wun⸗ derbar gerührt; er gedachte Veronika's, über deren Ab⸗ weſenheit er in nicht geringer Beſorgniß war. Noch hatte es die Gelgenheit nicht gewollt, ſich bei Rafaelen nach der Schweſter zu erkundigen.

Guido wanderte einſam die wohlbekannten Gänge des Schloßgartens auf und ab. Er konnte ſich eines leiſen Schauers nicht entwehren, wenn er gedachte, daß der geſtrige Abend erſt der Anfang jener Laufbahn ſei, die er zu durchlaufen ſich vorgenommen hatte. Die Beſtialität, deren ein roher, entzügelter Haufen fähig ſei, dieſe war ihm erſt geſtern in ihrer wahren Größe