Teil eines Werkes 
Supplemente 2. Band, Der Weltbürger : historischer Roman aus den Jahren 1830-1832 : 2. Theil (1857)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

157

nein, Ihr ſeid keine Menſchen, bei Euch iſt keine Hülfe zu ſuchen.

Sie ſprang wieder auf und wollte zurück nach dem Schloſſe, ward aber von einem der Landleute am Arm zurückgehalten.

Seid Ihr toll, rief derſelbe,wollt Ihr leben⸗ digen Leibes gebraten werden? die Teufels Großmutter iſt jetzt nicht mehr zu retten, das Neſt brennt ja über und über.

In der That brachen auch mit einem Male die Flammen an allen Orten mit ſolcher Gewalt hervor, daß das majeſtätiſche Schloß in Kurzem zuſammen⸗ ſtürzen mußte. Die ganze Landſchaft war geröthet von der bis zum Himmel ſchlagenden Gluth; aber in allen den Dörfern, die zur Herrſchaft Hohenſtein ge⸗ hörten, rief keine Glocke zu Hülfe; die Bewohner er⸗ blickten vielmehr in dem brennenden Schloſſe das Mor⸗ genroth einer beſſern Zeit. Nur ganz aus weiter Ferne vernahm man Sturmläuten.

Guido, der zeither nur für Rafaelen Sorge getra⸗ gen hatte, ward wie vom Donner gerührt, als er von der Anweſenheit ſeiner Großmutter im Schloſſe hörte. Er verſuchte alles Mögliche, er wagte das Außerordent⸗ lichſte; aber Alles war vergebens; das entfeſſelte Ele⸗ ment hatte ſich des alten Schloſſes mit aller Wuth be⸗ mächtigt, der ſich kein Sterblicher nahen durfte; die Flammen brachen aus allen Thüren und Fenſtern und hier und da bereits zu den Dächern heraus. Das Krachen und Praſſeln der zuſammenſtürzenden Balken, Brandmauern und Schornſteine im Innern des Schloſ⸗ ſes ward immer furchtbarer, die Hitze ſo gewaltig, daß das Laub der alten Linden, welche am Eingange des Schloßgartens ſtanden, zu glühen begann.