Teil eines Werkes 
Supplemente 2. Band, Der Weltbürger : historischer Roman aus den Jahren 1830-1832 : 2. Theil (1857)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

153

Als der Hufſchmied dieſes Gerippe erſchaute, brach der Wahnſinn, der lange in ſeinem Gehirn geſchlum⸗ mert hatte, mit aller Macht aus. Nicodemus hielt das Scelett für ſeine ſo geliebte und ſo lang vermißte Toch⸗ ter, preßte es mit aller Inbrunſt in ſeine Arme und wollte damit nach ſeiner Hütte fliehen. Aber überall, wo er hinkam, ſchlugen die Flammen entgegen, und nur nach langem Umherirren erreichte er jenes Fenſter, wo er von den im Schloßgarten Verſammelten geſehen wurde.

Ich hab ſie! ich hab ſie! ſchrie er mit einer Stimme, wie ſie nur dem furchtbarſten Wahnſinn mög⸗ lich, ſo daß ſelbſt den betrunkenen Bauern ſich das Haar zu ſträuben begann.

Nicodemus verſchwand wieder vom Fenſter und ſuchte inſtinktmäßig den Ausgang, aber die Flammen loderten von allen Seiten ihm entgegen. Er kehrte wieder nach jenem Fenſter zurück, das von dem Feuer unberührt war. Hier überließ er ſich einer wilden ſtürmiſchen Vaterzärtlichkeit, indem er das Gerippe mit zahlloſen Küſſen bedeckte.

Man verſuchte jetzt von außen eine Leiter anzulegen; aber die Hitze war bereits ſo heftig, daß man nicht bis in die Höhe des Fenſters gelangen konnte.

Schon hörte man, wie in den innern Gemächern hier und da dumpf die Balken zuſammen brachen; und noch immer ſtand Nicodemus trotz der glühend⸗ ſten Hitze am Fenſter und herzte das Scelett ſeiner Tochter.

Bei dieſem gräßlichen Schauſpiele verflog bei Man⸗ chem der Zuſchauer der Weinrauſch gänzlich.

Das einzige Mittel, riefen mehrere Stimmen, da