Teil eines Werkes 
Supplemente 2. Band, Der Weltbürger : historischer Roman aus den Jahren 1830-1832 : 2. Theil (1857)
Entstehung
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Unterdeß hatten ſich die Studenten, in deren Mitte ſich Guido befand, auf dem Schloßhofe verſammelt. Sie ſchauten nicht ohne Wohlbehagen dem grauſen Werke der Zerſtörung zu, indem ſie es für ein Werk der wohl⸗. verdienten Rache betrachteten.

Abſonderlich gefiel ſich Guido in ſeiner Rolle. Er ſpielte den modernen Freiheitshelden ganz con amore. Das war ſchon immer der Wunſch ſeines Herzens ge⸗ weſen, einmal die Armen und Unterdrückten gegen die begüterten Unterdrücker zu führen. Die Expedition ge⸗ gen das Schloß erſchien ihm als ein volksſouveräner Act und darum eine heilige Handlung. Bis zu dieſer entſetzlichen Höhe hatte ihn ſeine Freiheitsſchwärmerei gebracht.

Die übrigen jugendlichen academiſchen Hitzköpfe befanden ſich in äußerſt froher Stimmung. Die Be⸗ geiſterung, mit welcher ſie von den Landleuten waren aufgenommen worden, und daß letztere zu jedwedem Exceſſe die Hand willig geboten hatten, gab ihnen die Hoffnung, daß bald die ganze Landſchaft dem Beiſpiele der Hohenſteiner Bauern folgen würde. Sie träumten ſich ſchon an der Spitze von vielen tauſend herzhaften Landleuten, wie ſie gegen die Städte ziehen würden, um auch deren Bewohner für die allgemeine Revo⸗ lution zu gewinnen. Man machte die kühnſten Ent⸗ würfe und beſchloß, ſchon den nächſten Morgen die Revolutionirung der nächſten Ortſchaften ins Werk zu ſetzen

Die Bauern führten unterdeß ihre tolle Wirthſchaft im Schloſſe ungehindert fort. Es erwies ſich dabei die alte Wahrheit, daß Menſchen, die lange in Ketten ge⸗ legen, die plötzlich erhaltene Freiheit am meiſten miß⸗ brauchen.