Teil eines Werkes 
Supplemente 2. Band, Der Weltbürger : historischer Roman aus den Jahren 1830-1832 : 2. Theil (1857)
Entstehung
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Doctor in Sicherheit bringen wollte. Sie war daher durchaus nicht für die Flucht geneigt und ſprach ſich auch unverholen dahin aus.

Weshalb, frug ſie,ſoll ich und meine Schweſter die Flucht ergreifen, da wir uns ja nichts vorzuwerfen haben, wodurch wir den Haß und die Rache der Dorf⸗ bewohner auf uns gezogen haben könnten? Ich bin feſt überzeugt, daß ſie uns kein Leid zufügen, ja uns vor Unbillen ſchützen werden.

Sie wiſſen nicht, entgegnete der Doctor,welcher Ausſchweifungen ein wüthender Pöbel fähig iſt. Die Unſchuld iſt da ſo wenig geſichert, als derjenige, welcher die Wuth des Pöbels gereizt hat. Alſo verlieren wir die Zeit nicht durch unnütze Dialoge und folgen Sie mir zum Wagen.

Rafaele, welche herbeigekommen war, erſchrak gleich⸗ falls bei dem Gedanken, in Begleitung des Doctors das Schloß zu verlaſſen.

Und was ſoll aus der Großmutter werden? frug angſtvoll Veronika.Die arme, alte, verlaſſene Frau können wir doch unmöglich im Stiche laſſen.

Dieſe freilich, erwiderte Stephani achſelzuckend, müſſen wir der Gnade des Siegers überlaſſen.

Wie, frug Veronika,die Mutter Ihres Gebie⸗ ters wollen Sie im Stiche laſſen; jene Frau, die von dem empörten Landvolke am meiſten zu fürchten hat?

Ich glaube es bei meinem Herrn, dem Grafen Günther, erwiderte der Doctor,verantworten zu kön⸗ nen, wenn ich ihm da, wo keine weitere Wahl iſt, die jüngern Glieder ſeiner Familie rette; mehr kann und mehr wird er unter den gegenwärtigen Umſtänden nicht verlangen. Darum nochmal, meine Damen, machen Sie ſich reiſefertig, im Augenblicke bin ich wieder hier und begleite Sie zum Wagen.

Stolle, Schriften. Supplem. M. 10