Stephani warf einen Blick nach dem Dorfe. Da tönte wüſtes Geſchrei herauf, das ſich zu nähern ſchien. Rother Fackelſchein leuchtete durch den Herbſtnebel.
„Um aller Heiligen willen, Herr Doctor,“ beſchwor
der Landjäger,„retten Sie ſich, ſo Ihnen das Leben lieb iſt; ſo viel ich aus dem verworrenen Geſchrei ver⸗ nommen habe, hat man es hauptſächlich auf Ihre Per⸗ ſon abgeſehen.“
Stephani verſchloß und verriegelte die Pforte wieder und erkundigte ſich, wie ſtark die Anzahl der ſchwarzen Fremdlinge ſei.
„Ich hatte keine Zeit, ſie zu zählen,“ verſetzte der Landjäger,„aber ſo viel ich im Allgemeinen wahrgenom⸗ men habe, können ſie ſich leicht auf einige Dutzend be⸗
laufen. Sie kamen in der Dämmerung auf Pferden
ins Dorf geſprengt und an ihrer Spitze ſoll ſich der junge Graf Guido befinden.“
Stephani traf auf der Stelle die außerordentlichſten Vertheidigungsmaßregeln. Alles, was Waffen zu tragen vermochte, mußte ſich verſammeln. Thore und Thüren wurden doppelt und dreifach verrammelt, und es hatte den Anſchein, als ſei der Doctor zur äußerſten Verthei⸗ digung entſchloſſen Zugleich aber ließ er durch einen vertrauten Schloßknecht in aller Stille einen mit zwei kräftigen Roſſen beſpannten Wagen an das ſogenannte Ausfallthor fahren, welches ſehr verſteckt lag und nach einer einſamen Waldgegend hinausführte. Hierauf eilte er nach dem Flügel des Schloſſes, worin ſich die Zim⸗ mer von Veronika und Rafaele befanden.
Die beiden Mädchen, welche von dem Aufruhre im Dorfe keine Ahnung hatten, ſaßen bereits halb entkleidet bei einſamem Lampenſchimmer, und vertrieben ſich die ſtillen Abendſtunden durch Lectüre. Sie erſchraken da⸗


