Teil eines Werkes 
Supplemente 2. Band, Der Weltbürger : historischer Roman aus den Jahren 1830-1832 : 2. Theil (1857)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

141

womöglich eine Spur von Georg zu entdecken, zu ſich rufen. Er forſchte dieſelben aufs Genaueſte aus, ob ſie auf ihren Streifereien nichts von einem jungen Manne wahrgenommen hätten, deſſen Aeußeres er näher beſchrieb, und welches mit der Perſönlichkeit des jun⸗ gen Grafen Guido vollkommen übereinſtimmte.

Die ausgeſandt geweſenen Diener konnten ſich aber nicht entſinnen, eine Perſon, wie ſie der Doctor beſchrie⸗ ben, geſehen zu haben; zugleich aber machte der Schloß⸗ knecht Ralph die Anzeige, daß heute unmittelbar nach Tiſche, zwei unbekannte junge Männer, die wie Stu⸗ denten ausgeſehen, in der Schenke geſeſſen, einigen der daſelbſt beſindlichen Landleuten tapfer zugetrunken, und dabei höchſt rebelliſche Reden geführt hätten

Der Doetve Stephani ward bei dieſer Nachricht ſehr aufmerkſam, und ſchalt den Schloßknecht tüchtig, daß er ihn nicht früher von der Anweſenheit jener verdächtigen Individuen in Kenntniß geſetzt habe.

Auf der Stelle erhielt der im Schloſſe wohnhafte Landgensdarm Befehl, mit einigen ſeiner Leute aufzu⸗ brechen, und jenen jungen Leuten nachzuſpüren, die man heute Mittag in der Schenke geſehen habe. Auch ließ der Doctor alle die Landleute, welche mit jenen Unbe⸗ kannten getrunken hatten, zu ſich aufs Schloß beſcheiden.

Die Abenddämmerung brach immer mehr herein; weißt Nebel ſanken auf Flur und Thal; unheimlich wehte die Herbſtluft um die altergrauen Gemäuer des

Schloſſes; da verließ der Doctor ſein Expeditionszimmer und befahl, heute zeitiger als gewöhnlich Thore und Pforten zu ſchließen; denn die Ausſage Ralph's über die ſtudentiſch ausſehend fremden Gäſte im Wirthshauſe hatte ihn ſehr bedenklich geſtimmt. Er unterſuchte ſelbſt die verſchiedenen Schlöſſer und Riegel, ob man ſeine