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„Dergleichen führt er ſchon ſeit vielen Jahren;“ tröſtete Veronika,„aber dem Himmel ſei Dank, ſeine unheimlichen Prophezeihungen gehen nicht in Erfüllung. Seinen Träumen nach hätte der Hohenſtein ſchon ſeit fünfundzwanzig Jahren müſſen in Flammen ſtehen. Na⸗ mentlich iſt er auf unſere Großmutter erbittert, welche den Tod ſeiner Tochter verſchuldet hat, und man kann dies dem Vaterherzen nicht verargen.“
Als die Schweſtern in den Schloßhof traten, war ſo eben ein Eilbote aus der Reſidenz angelangt, welcher dem Doctor Stephani wichtige Depeſchen gebracht hatte.
Der letztere war auf ſein Zimmer gegangen und überflog nicht ohne ſichtbare Freude das Schreiben, wel⸗ ches ihm der Graf Günther von Hohenſtein überſchickt hatte. Darin ward gemeldet, daß Guido einer der Haupträdelsführer bei der jüngſten Verſchwörung, die mit Waffen und Gewalt unterdrückt worden, geweſen ſei, und ſich auf unbegreifliche Weiſe, obſchon bedeutend verwundet, durch die Flucht der verdienten Strafe ent⸗ zogen; daß man aber Alles aufgeboten habe, ſich ſeiner Perſon lebendig oder todt zu bemächtigen. Sollte er ſich, was vielleicht nicht ganz unwahrſcheinlich wäre, auf dem Schloſſe zu Hohenſtein oder in deſſen Umgebung blicken laſſen, ſo ſei er ſofort, es koſte, was es wolle, zu verhaften, und in Ketten ſchleunigſt in die Reſidenz abzuliefern.
In dem Briefe war noch ausdrücklich hervorgehoben, daß verwandtſchaftliche Rückſichten durchaus nicht zu nehmen, und die gegebenen Befehle auf das Strengſte zu befolgen ſeien.
Stephani ließ ſogleich einige Perſonen von der Schloßdienerſchaft, welche dieſe Tage daher die Um⸗ gegend nach allen Richtungen durchſtreift hatten, um


