Teil eines Werkes 
Supplemente 2. Band, Der Weltbürger : historischer Roman aus den Jahren 1830-1832 : 2. Theil (1857)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

O Nicodemus, ſprach Veronika,wie mögt Ihr ſolche böſe Reden führen, welche Gott nicht angenehm ſein können.

Aber es wird doch geſchehen, erwiderte der Huf⸗ ſchmied,und das bald.

Woher wißt Ihr denn das? frug Veronika in etwas ängſtlichem Tone.

Träume ich nicht ſeit langen Jahren davon, ſprach Nicodemus;und bald, bald wird der Traum in Erfüllung gehen.

Rafaele, welche ſich während des ganzen Geſprächs ängſtlich an den Arm der Schweſter geklammert hatte, bat dieſe jetzt dringend, nach dem Schloſſe zurückzukehren; Veronika wandte ſich daher mit den Worten zu dem Hufſchmied:

Guter Nicodemus, laßt ab von ſolchen finſtern Gedanken, die einem guten Menſchen nicht geziemen, und jetzt lebet wohl! es wird ſpät, wir wollen nach dem Schloſſe.

Gehen Sie nicht dahin, mahnte der Hufſchmied in ängſtlichem Tone,es riecht dort nach Brand. Sehen Sie, noch glänzt es ſtattlich im Abendroth; aber bald werden die Flammen kniſtern und die Balken brechen. Es iſt das Todtenfeuer meiner Margaretha; das ſoll herrlich leuchten. Ich gehe nach meiner Linde und warte, bis ich gerufen werde.

Mit dieſen Worten wandte ſich die alte, geheimniß⸗ volle Geſtalt abwärts und wandelte langſamen Schritts nach ſeinem einſam ſtehenden Häuschen zu.

Die beiden Schweſtern dankten Gott, als ihnen der Weg nach dem Schloſſe wieder frei war, und ſie eilten geflügelten Schrittes dem Schloßberge zu.

Das iſt ja ein entſetzlicher alter Mann, begann Rafaele,er hat mir außerordentlich bange gemacht mit ſeinen dunklen Reden.