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Stadt kommen läßt; denn ich muß Dir's geſtehen, Ve⸗ roni, daß es mir hier gar nicht mehr gefallen will. Seit der ſchrecklichen Mordgeſchichte iſt mir es ganz unheimlich geworden“
„Glaubſt Du wirklich,“ frug ſie nach einer Pauſe, „daß es der Georg geweſen iſt, der den Schloßvoigt in die Gruft geſtürzt hat?“
„Wenigſtens ruht großer Verdacht auf ihm,“ meinte die Schweſter,„und ich ſelber kann mir recht gut denken, wie das Alles zugegangen iſt. Der Georg hat ſich unſtreitig in einem Zuſtande der höchſten Erbitterung befunden; er betrachtete den Voigt als Mörder Chriſti⸗ nens, und da hat er ſich unſtreitig in ſeinem Rachege⸗ fühl ſo weit hinreißen laſſen, daß er die ſchreckliche That verübte.“
Die beiden Schweſtern waren auf ihrem Spazier⸗ gange bis in die Nähe der Linde gekommen, unter welcher der alte Nicodemus in den Abendſtunden zu ſitzen pflegte. Rafaele warf einen ſcheuen Blick nach dem Orte, dann faßte ſie die Schweſter ſchnell am Arme.
„Laß uns eilen,“ ſprach ſie ängſtlich,„da kommt der alte Nicodemus gerade auf uns zu und ich fürchte mich vor dem alten Manne.“
„Sei keine Thörin,“ lächelte Veronika,„der arme alte Mann thut Niemandem Etwas zu leide, und es würde ihn kränken, wenn wir vor ihm fliehen wollten.“
„Du haſt Recht, Schweſter,“ geſtand Rafaele,„aber ich kann mir nicht helfen. Ich habe ein geheimes Grauen vor dem Hufſchmiede. Hu! da iſt er ſchon ganz nahe.“
Die Schweſtern verlangſamten mit Abſicht ihren Schritt und bald ſtand die hohe Geſtalt des Nicodemus vor ihnen.
Der alte Mann hielt ein einfach geflochtenes Körb⸗ chen in der Hand, in welchem auf Weinlaub einige


