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befreit worden, ſo hatte ſich ihre Lage dennoch nicht verbeſſert; denn Stephani vermehrte ihre Laſten und Ab⸗ gaben um ein Bedeutendes und war in Eintreibung der Gefälle unerbittlicher denn je.
Immer röther färbte der Herbſt das welkende Laub auf Baum und Strauch; die Tag⸗ und Nachtgleiche war ſchon ſeit mehreren Wochen vorüber. Morgen und Abend ſtanden in Nebel gehüllt: nur in den Mittags⸗ ſtunden zerriß die Sonne den weißen Flor und ſtand in glänzender Schöne am blauen unbewölkten Herbſt⸗ himmel. Auf den Giebeln des alten Schloſſes ſammel⸗ ten ſich täglich die Zugvögel in großen Schaaren und traten mit hundertſtimmigem Geſchrei ihre Reiſe nach dem Süden an. Immer röther färbte ſich der Apfel in den lichter werdenden Wipfeln, üppig lauſchten die dunkelſchwarzen und die von der Sonne gebräunten Trauben zwiſchen dem welken Weinlaube, und kaum ver⸗ mochte der Pfirſichbaum die ſüße Laſt ſeiner roſig an⸗ gehauchten Früchte zu tragen. Tief neigten ſich ſeine Aeſte zur Erde. Das Reich der Blumen war faſt ganz verſchwunden; nur hier und da ſchaute eine verſpätete Aſter mit ihrem Sternenauge oder eine gelbe Stroh⸗ blume zum rlaren Herbſthimmel. Wenn man die Alleen der alten himmelhohen Kaſtanien dahin wandelte, kräu⸗ ſelte ſchon hier und da ein rothes überreifes Blatt zu Boden und oft ſiel eine überreife Frucht mit Geräuſch herab.
Veronika und Rafaele kehrten ſo eben von einem Nachmittags⸗Spaziergange nach dem Schloſſe zurück. Ihre Körbchen waren mit Corneliuskirſchen, Haſelnüſſen und Weintrauben gefüllt.
„Wie ſoll das nur den Winter werden,“ begann Rafaele,„hier in dem einſamen Schloſſe; ich glaube, da iſt Alles ganz und gar verſchneit. Vielleicht, daß der Onele den guten Einfall hat, und uns nach der


