Teil eines Werkes 
Supplemente 2. Band, Der Weltbürger : historischer Roman aus den Jahren 1830-1832 : 2. Theil (1857)
Entstehung
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„Das iſt ja ein wahres Labyrinth, dieſes Polizei⸗ haus,“ murrte Severin.„Mir riecht's hier überall wie nach Marterkammer. Hier können ſie einen martern nach Herzensluſt, ohne daß man draußen in der men⸗ ſchenbelebten Welt das Geringſte davon erfährt und wenn man wie ein angeſchoſſener Eber brüllte.“

Der unheimliche Kerkermeiſter hatte jetzt die kleine eiſerne Thüre nicht ohne Mühe aufgeſchloſſen. Er ge⸗ bot Severin voran zu ſchreiten. Dieſer verſpürte hierzu durchaus keine Luſt, denn in dem aufgeſchloſſenen Ge⸗ mach ſah es verzweifelt finſter aus.

„In dieſes Loch,“ ſprach er,„bringt mich keine menſchliche Macht, da ſieht man ja vom hellen lichten Tage nichts.“

Anſtatt aller Antwort aber und ohne ein Wort zu verlieren, faßte der Kerkermeiſter mit nerviger Fauſt Severin am Arme, und ſtieß ihn mit Gewalt in die dunkle Zelle hinab, worauf er die Thüre hinter dem Gefangenen zuwarf, drei Rieſenſchlöſſer vorlegte, und zum Ueberfluß noch einen gewaltigen Riegel vorſchob.

Der arme Severin, welcher im Anfang allen Ernſtes glaubte, er ſei blind geworden, weil er auch nicht den geringſten Lichtſchimmer in ſeinem neuen Gefängniß ent⸗ deckte, tappte mit zagenden Händen in der undurch⸗ dringlichen Finſterniß umher, und überzeugte ſich bald, nachdem er die vier feuchten Wände viſitirt, daß er ſich in einem kaum mehrere Fuß breiten ſteinernen Grabe befand. Nach langem Forſchen gelang es endlich ſeiner angeſtreng⸗ ten Sehkraft, einen äußerſt ſchwachen Lichtſchimmer zu er⸗ blicken, der durch ein kaum zwei Hände breites Zugloch aus der Decke herabfiel. Somit ward ihm wenigſtens der Troſt, daß er nicht blind geworden ſei.

„Aber was hilft mir das,“ ſeufzte er,„bald wird man mir das ganze Lebenslicht ausblaſen; denn aus

Stolle, Schriften. Supplem. I. 9