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Drittes Ruyiter.
Sait Graf Günther den Hohenſtein verlaſſen, war es womöglich noch ſtiller auf dem Schloſſe geworden. Unbeweglich wie immer ſaß die Gräfin Roßwitha bei herabgelaſſenen Vorhängen, im alterthümlichen Schmucke auf ihrem Rollſtuhle. Eine bejahrte Kammerfrau war nächſt dem Doctor Stephani das einzige menſchliche Weſen, das ſich der Gräfin nähern durfte. Der Doctor kürzte ſeine Beſuche bei der Gräfin, in deren Geſell⸗ ſchaft er ſich natürlich wenig amüſiren konnte, möglichſt ab, und verbrachte einen großen Theil ſeiner Zeit bei den Schweſtern Veronika und Rafaele, obſchon dieſe ihm ziemlich unverhohlen zu verſtehen gegeben, wie un⸗ angenehm ihnen ſeine Gegenwart ſei. Stephani that indeß, als ob er davon nichts merke; er verdoppelte ſeine Aufmerkſamkeit gegen die jungen Damen und bot alle ſeine geſellſchaftlichen Talente auf, um ſeine Perſon in ein freundliches Licht zu ſetzen.
Bald unterhielt er die Damen von ſeinen weiten Reiſen, und man mußte es ihm laſſen, er wußte in⸗ tereſſant zu erzählen, bald theilte er intereſſante Pis aus der ältern und neuern ſchöngeiſtigen Literatur mit. Sein Vortrag, von einem angenehmen Organ gehoben, hörte ſich gut mit an. In der Wahl der vorzutra⸗ genden Stücke zeigte er ſich eben ſo beleſen als von Geſchmack.
Gleichwohl wollte es ihm durch alle dieſe Vorzüge nicht gelingen, das widerwärtige Gefühl, welches die Mädchen gegen ſeine Perſönlichkeit empfanden, zu be⸗ ſeitigen; und je gefühlvoller er ſich bei dieſer oder jener ergreifenden Stelle aus einem Dichter zeigte, um ſo
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