Teil eines Werkes 
Supplemente 2. Band, Der Weltbürger : historischer Roman aus den Jahren 1830-1832 : 2. Theil (1857)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Einem hinterliſtigen Menſchen ſtehen viele Mittel und Wege zu Gebote, meinte Veronika.

Die beiden Mädchen wandelten noch eine Zeitlang in den ſchattigen Gängen des Gartens auf und ab.

Wiſſen möcht' ich doch, begann Rafaele,was es mit dem reitenden Boten für eine Bewandtniß hat; auch der Benedict kehrt nicht zurück. Wollen wir nicht nach dem Schloſſe zurückkehren?

Iſt es etwas Trauriges, meinte Veronika,er⸗ fahren wir es zeitig genug. Sieh, der Abend wird wunderſchön. Der warme Regen am Mittag hat Alles erfriſcht. Wie wäre es, wenn wir unſere Schwäne einmal beſuchten?

Ich getraue mich in dieſen gefährlichen Zeiten gar nicht mehr in den Park, ſprach Rafaele;überall ſeh' ich blutgierige Rebellen aus dem Gebüſch gucken.

Nun, ſo ſchlimm, lächelte Veronika,iſt es Gott ſei Dank noch nicht. Komm, meine Raffa, wir prome⸗ niren noch ein Wenig an dem ſchönen Abend.

Die Staffette liegt mir nur zu ſehr im Sinne, entgegnete Rafaele,kann ſie nicht Nachricht von Otto⸗ kar und Guido gebracht haben? Sie iſt vielleicht von den Couſins vorausgeſchickt, ihre baldige Ankunft zu melden. Man kann nicht wiſſen.

Veronika, die bereits einige Schritte voraus war, blieb bei dieſen Worten ſtehen.

Das iſt ja unmöglich, ſprach ſie,unſere Freunde klettern jetzt vielleicht rüſtig in den romantiſchen Bergen Schottlands auf und ab.

Aber der reitende Bote, entgegnete Rafaele, kann ja Briefe von ihnen überbracht haben.

Da würden wir eben ſo wenig davon erfahren, wie von den frühern Schreiben, meinte Veronika