Teil eines Werkes 
Supplemente 2. Band, Der Weltbürger : historischer Roman aus den Jahren 1830-1832 : 2. Theil (1857)
Entstehung
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Munde faſt bange macht; er giebt ſich für ihren beſten Freund aus und kann gewiß keine Seele lieben.

Dieſe Lobeserhebungen, denen man das Gezwun⸗ gene, Unredliche anſieht, geſtand Rafaele,haben mich auch wenig erfreut. Dann iſt mir auch auf⸗ gefallen, daß in Ottokar's Briefen, von denen uns der Doctor immer vorerzählt, ohne daß wir einen ein⸗ zigen zu Geſicht bekämen, unſerer mit keiner Sylbe ge⸗ dacht wird. Wir ſind ja noch nicht geſtorben, und einen Gruß wenigſtens hätten wir gewiß verdient; wie würden wir uns gefreut haben.

Das iſt weniger auffällig, gab Veronika zur Antwort,in der fernen geräuſchvollen Welt ſind ein paar arme Mädchen, wie wir, leicht vergeſſen.

Wenn auch ich, geſtand die Schweſter offenherzig zu,Du gewiß nicht. Aber ich glaube, Ottokar hat uns gewiß beide grüßen laſſen, nur daß der argliſtige Doctor, ich weiß nicht aus welchem Grunde, uns die Grüße verheimlicht.

Veronika ſchaute eine Zeitlang mit düſterm Sinne vor ſich hin. Dann ſprach ſie:

Ich habe noch eine andere böſe Ahnung.

Mach mir nicht Angſt, Veroni! rief Rafaele.

Ich bin überzeugt, fuhr die ältere Schweſter leiſe und geheimnißvoll fort,daß die Reiſe nach Schottland ein Betrieb Stephani's iſt.

Wie ſo denn? frug Rafaele.

Um die beiden Jünglinge, erwiderte Veronika, ſo lange als möglich von der Heimath entfernt zu halten. Der Doctor iſt überzeugt, daß nach ihrer Rückkehr ein großer Theil ſeiner Macht verloren geht.

Das wäre entſetzlich, rief Rafaele erſchrocken; aber ſollten ſich Ottokar und Guido von dieſem böſen Menſchen am Gängelbande führen laſſen?