Teil eines Werkes 
Supplemente 2. Band, Der Weltbürger : historischer Roman aus den Jahren 1830-1832 : 2. Theil (1857)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

7

Ja, das Reiſen, ſprach Benedict,muß eine herrliche Sache ſein; mein Schwiegerſohn, der Schnei⸗ der, erzählt viel davon. Iſt weit umhergekommen, mein Schwiegerſohn, bis Kopenhagen und Schneeberg.

Hat denn der Onele, frug Veronika,die grau⸗ ſame Behandlung Chriſtinens erfahren?

Kein Wort, verſicherte der Gärtner;erſtens war er abweſend und alsdann wollt' ich's Niemandem ge⸗ rathen haben, den Ankläger zu machen. Der hätte keine ruhige Stunde mehr auf Hohenſtein.

Ich ließ ein paar Worte davon verlauten, er⸗ zählte Rafaele,gleich nach ſeiner Rückkehr; aber ich durfte nicht weiter reden. Auch wußte ich nicht den ganzen Hergang, ſonſt würde ich mich nicht ſogleich haben abſchrecken laſſen.

Wenn der gnädige Herr Graf auch davon erführe, meinte Benedict,der Doctor ſteht zu hoch in der Gunſt, als daß Graf Günther ihn deshalb zur Ver⸗ antwortung ziehen ſollte. Nein, auf Erden iſt mit dieſem Allmächtigen nichts auszurichten. Wir müſſen die Strafe dem Himmel anheimſtellen; mit Ans⸗ nahme, es bricht eine Revolution aus. Dann aber kann der Doctor ſehen, wo der Zimmermann das Loch gelaſſen hat, denn lebendig kommt er nicht von Hohenſtein.

Sicher bleibt bei unſern Landleuten Ruhe, ſprach Veronika,ſie haben zu viel Ehrfurcht vor dem Oncle.

Böſe Beiſpiele verderben gute Sitten, erwiderte Benedict,unſern Bauern fiel's am jüngſten Tage nicht ein, zu rebelliren; aber wenn, wie heut zu Tage, aller⸗ orts der Kuckuck losgeht, wenn es unterm gemeinen Volke zum guten Tone gehört, aller Obrigkeit den Ge⸗ horſam aufzukünden, um ſich auf eigene Hand Recht zu

7