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„Aber um himmelswillen, beſter Benediet,“ frug Rafaele,„was hat denn das arme Mädchen Uebles begangen?“
„Gar nichts,“ erwiderte der Gefragte,„weil ſie dem wackern Georg ſo treu ergeben geweſen und nicht von ihm hat laſſen wollen, trotz des ausdrücklichen Befehls vom Herrn Doctor, und weil ſie dieſem ob ſeines ungebührlichen Betragens gegen ſie, tüchtig und derb den Text geleſen. Der Herr Doctor iſt aber nicht der Mann, der ſich von einem Bauermädchen die Moral leſen läßt. Chriſtine kam in den Zwangſtall und der Georg, die einzige Stütze ſeiner armen Eltern, mußte Knall und Fall unter die Soldaten.“
„Der Doctor iſt mir ſeit dieſer That wahrhaft ver⸗ haßt geworden,“ ſprach Rafaele,„trotz ſeiner ſcheinhei⸗ ligen Höflichkeit und Schmeichelei.“
Veronika war im Innern noch mehr empört über die ſchändliche Handlungsweiſe des Gerichtsdirectors, obſchon ſie ſich nicht weiter darüber ausſprach.
„Solche Abſcheulichkeiten,“ meinte Rafaele eifrig, „würden gewiß nicht vorfallen, wenn Ottokar und Guido hier wären Der Oncle iſt viel zu nachſichtig gegen den boshaften Stephani. Wann nur die Couſins zurückkehren werden? Haſt Du wirklich keine Nachricht, Veroni?“
„Nach des Oneles Aeußerung,“ antwortete Veronika, „haben ſie einen Abſtecher nach Schottland gemacht, um die Heimath Walter Scott's kennen zu lernen.“
„Solche junge Herren haben es doch recht gut gegen uns Mädchen,“ fuhr Rafaele fort,„die reiſen mir nichts dir nichts in der Welt umher, während wir armen Dinger zu Hauſe ſitzen müſſen und vor
lieber langer Weile nicht wiſſen, was wir anfangen ſollen.“


