„O bitte, Benedict,“ bat voller Angſt Rafaele, „macht uns nicht gar zu bang. Wir haben keine ruhige Stunde mehr.“
„Aber hat denn die Obrigkeit keine Polizei und Soldaten, die Aufrührer in Schranken zu halten?“ frug Veronika.
„Soldaten,“ lachte Benedict,„ja das iſt jetzt eine ſonderbare Welt, die Soldaten ſchießen nicht mehr auf die Leute in Rebellionen, weil ſie da allemal befürchten müſſen, ihren Vater, Bruder, oder Schwager oder ſonſtigen guten Freund zu treffen. Darum ſchießen ſie lieber gar nicht. Hat es nicht der gute gnädige Herr Ottokar von Paris geſchrieben klar und deutlich, wie es die Truppen dort gemacht haben? Ganze Bataillone ſind zu dem Volke übergegangen. In Belgien war's nicht anders, und darum wird's in Deutſchland auch ſo ſein. Was Revolutionsſachen anbelangt, da geht's allemal à la Paris.“
„Ottokar,“ ſprach Rafaele ſeufzend,„wenn er doch hier wäre, ich wollte mich weniger fürchten, er würde uns gewiß wacker beſchützen.“
„Das iſt gewiß,“ geſtand der Gärtner zu;„aber ein Einzelner vermag nicht viel, wenn das Volk wild wird.“
„Seinen Worten,“ fuhr Rafaele fort,„würden die Landleute der ganzen Umgegend gewiß Gehorſam leiſten. Sie haben ihn alle lieb.“
„Ja, wenn er nur nicht Ariſtokrat wäre,“ ſprach Benedict.
„Was iſt denn eigentlich ein Ariſtokrat?“ frug Rafaele.
„Der von Adel iſt,“ antwortete der Gärtner„und unſer gnädiger Herr Graf gehört überdieß zu dem ſehr vornehmen Adel.“


