Teil eines Werkes 
Supplemente 1. Band, Der Weltbürger : historischer Roman aus den Jahren 1830-1832 : 1. Theil (1857)
Entstehung
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Wenn aber die Belgier, disputirte Severin,ein Volk für ſich, und holländiſchen Intereſſen nicht auf⸗ geopfert ſein wollen, das kann ihnen doch Niemand verargen. Selbſtſtändigkeit und Nationalität iſt etwas Schönes, Begeiſterndes; wir armen Deutſchen haben freilich keine Ahnung davon.

Ottokar lächelte.

Wer ſprach ſich denn, frug er,vor wenigen Wochen noch ſo entſchieden gegen alle Nationalität der Völker aus, indem er nur von einer großen Menſchen⸗ familie ſchwärmte und den Patriotismus ſogar als ge⸗ linden Egoismus verdammte?

Das war vor der Julirevolution, entſchuldigte ſich Severin,in jener dürren, gedrückten und arretir⸗ ten Reſtaurationszeit; Du vergißt, daß ſich in drei Ta⸗ gen die Weltgeſchichte total verändert hat.

Ach ſo, ſprach Ottokar.

Darum haben auch die Belgier, fuhr Severin fort,das entſchiedene Recht, ihrem Könige den Ge⸗ horſam aufzukündigen und ſich einen belgiſchen Kö⸗ nig zu wählen. Die flotten fröhlichen Nachbarn Frank⸗ reichs mögen nicht mit jenen altbacknen Krämern nach einem Maße gemeſſen werden. Das verdenke ich ihnen gar nicht.

Ich ſollte meinen, erwiderte Ottokar,bevor ein Volk zu dieſem Aeußerſten ſchreitet, auf die Gefahr hin, ein blühendes Land allen Greueln des Bürgerkrieges auszuſetzen, ſollten die Vernünftigen unter ihm doch vorher überlegen, ob man nicht ein weit größeres Uebel, gegen ein kleines eintauſche.

Ueberlegen, lachte Severin,da hört man den deutſchen Philiſter; wenn die Pariſer nach Bekannt⸗ werdung der Ordonnanzen erſt lange hätte überlegen wollen, ſäße Karl der Zehnte noch auf dem Throne.