„Armer Rowinow,“ fuhr er nach einer Pauſe fort,„du ſelbſt wohl biſt weniger zu beklagen, denn du ſchienſt ein edler Menſch und ein ſolcher hat ja jenes Land drüben nimmer zu fürchten; aber welche Wunden wird dein früher Tod all denen ſchlagen, die dir nahe ſtanden?“
Ein Geräuſch in den Zweigen unterbrach den jun⸗ gen Mann in ſeinem Selbſtgeſpräch. Es war Arthur, der aus dem Gebüſche trat.
„Da ſind Sie ja,“ ſprach er,„ich habe lange geſucht.“
„Mein Suchen nach Guido,“ antwortete Ottokar „war vergebens, ich habe den Unglücklichen nicht auf⸗ ſinden können.“
„So war ich glücklicher,“ erzählte der Hauptmann; „er hatte ſich verzweiflungsvoll in den Schatten einer alten Eiche geworfen und weinte bitterlich; jetzt hat er mit das traurige Geſchäft übernommen, die Leiche Rowinow's nach der Stadt zu bringen. Zugleich muß es aber nun unſre Sorge ſein, Guido ſo ſchleunig als möglich aus Paris zu entfernen. Der Getödtete hinter⸗ läßt zu viel Befreundete, und ſobald das mordſüchtige Verfahren Guido's bekannt wird, kommt er aus den Duellen nicht heraus.“
„Ich begreife meinen Bruder nicht,“ ſprach Otto⸗ kar im Ausdrucke des tiefſten Schmerzes;„dieſer ehe⸗ dem ſo ſanfte Knabe und faſt mädchenhafte Jüngling, der keine Mücke tödten konnte, welch' dämoniſcher Geiſt in ihn gefahren; er iſt im Stande, für die Hirnge⸗ ſpinnſte ſeiner überreizten Phantaſie die ganze Menſch⸗ heit an das Meſſer zu liefern. Seine politiſche Auf⸗ geregtheit grenzt an Paroxismus.“
„Aber wohin mit ihm?“ frug Arthur;„nach mei⸗ nen neueſten Briefen aus Deutſchland ſieht es daſelbſt


